3D-Drucker: Künstliches Hüftgelenk zum Selbermachen?

Es ist eine Mischung aus Begeisterung und Argwohn, die über der Technologie der 3D-Drucker schwebt. In der Öffentlichkeit kennt man die neuen Drucker noch kaum, denn erst spät wurden die Geräte und ihre Fähigkeiten überhaupt bekannt. Lange Zeit sprach man von Science-Fiction-Spielzeugen, dann jedoch kamen die ersten Exemplare heraus. Sie waren noch sehr teuer, sodass sich häufig nur finanzkräftige Unternehmen solche Technologien leisten konnten. Heute sind die neuartigen Drucker jedoch zunehmend salonfähig geworden, vor allem weil sie preiswerter geworden sind.

Es gibt unendlich viele Verwendungsmöglichkeiten

Die Möglichkeiten, die der 3D-Drucker Industrie und Gesellschaft bieten kann, sind für Optimisten schier unendlich. Viele glauben daran, dass die Technik eine Revolution der Produktion auslösen kann, den Schritt in eine Welt, in der sich Dinge preiswert und unkompliziert herstellen und vervielfältigen lassen.

Zunächst wird das gewünschte Produkt vom Anwender in einem Datensatz als virtuelles 3D-Modell beschrieben. Beim Druck dieser Datei wird in der Regel ein Grundstoff – meist flüssiger Kunststoff, aber auch Keramik oder Metall – Schicht für Schicht per Spritzdüse auf einer Grundfläche angebracht, dann wird die Fläche millimeterweise abgesenkt und die neue Lage darübergelegt. So entsteht aus einer Computerdatei ein dreidimensionales Produkt. „Da können geometrische Formen realisiert werden, die mit mechanischer Umformung gar nicht erzeugbar sind”, sagt Andreas Baader, Managing Partner der Unternehmensberatung Barkawi Management Consultants.

Im industriellen Bereich werden die 3D-Drucker derzeit nur für die Produktion hochpreisiger Einzelteile eingesetzt oder bei Bauteilen, die aufgrund ihres komplizierten Aufbaus besonders leicht und stabil sind. In letzter Zeit entdeckt auch die Medizinbranche die Vorteile der Technologie: So entstehen individuell angepasste Zahnkronen heute bereits in 3D-Druckern. „Mit dem Druck von Titanteilen sind auch individuell angepasste künstliche Hüftgelenke oder Schädelplatten aus dem Drucker möglich”, meint Baader. Damit ist es möglich, nicht nur einfache Güter des täglichen Gebrauchs wie Geschirr und Designgegenstände, sondern auch Spielzeug oder Materialien für Heimwerker herzustellen.

Der 3D-Drucker steckt noch in seinen Kinderschuhen

Mittlerweile gibt es 3D-Drucker, die nur noch 1000 Euro kosten. Sie arbeiten noch mit einfachster 3D-Print-Technology und können nur mit Plastik drucken, doch Experten zufolge wird sich das in den nächsten Jahren verändern, es seien große Fortschritte im Bereich des 3D-Druckes zu erwarten. Den Einschätzungen J.P. Morgans und des Beratungsunternehmens Wohlers Associates zufolge erzielten die 3D-Druckerhersteller 2012 einen Umsatz von 1,5-2,2 Milliarden Dollar. Bis 2019 soll sich der Umsatz auf bis zu 6 Milliarden Dollar verdreifachen.

Der 3D-Druck steckt noch am Anfang seines Siegeszuges und schon heute lässt sich sein großes Potenzial erkennen. Zwar ist der 3D-Drucker noch nicht massentauglich und er wird bisher noch stark subventioniert, besonders im Bereich der Forschung, doch mittelfristig sei für die produzierenden Branchen mit einem tiefgreifenden Wandel zu rechnen.