Ein verletzter Mursi-Anhänger wird am 6. Oktober nahe Kairo behandelt.

Ein neuer Gewaltausbruch erschüttert Ägypten: Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern des am 3. Juli in einem Militärputsch abgesetzten, gewählten Staatspräsidenten Mohammed Mursi, deren Gegnern und Sicherheitskräften kamen am Sonntag mindestens 44 Menschen in dem nordafrikanischen Land ums Leben, wie die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf das Gesundheitsministerium meldete. Mehr als 240 Menschen wurden demnach verletzt.

Die Sympathisanten der mittlerweile wieder verbotenen Muslimbruderschaft sowie Unterstützer der Armee, die Mursi im Sommer gestürzt hatte, hatten am Sonntag zu Kundgebungen aufgerufen. Anlass war der 40. Jahrestag des Jom-Kippur-Krieges mit Israel.

In Kairo wurden der Mena-Meldung zufolge allein 24 Menschen getötet, im nahen Giza 15 weitere. Auf dem zentralen Tahrir-Platz der Hauptstadt waren Tausende Unterstützer der Armee anlässlich der Feierlichkeiten zusammengekommen. Ursprünglich hatten Islamisten dort eine Großkundgebung geplant. Sicherheitskräfte stellten sich zwischen die politischen Lager.

Rund um den Platz lieferten sich Anhänger der Muslimbrüder und Sicherheitskräfte anschließend stundenlang Kämpfe. Die Polizei nahm nach Angaben staatlicher Medien mehr als 400 Anhänger der Muslimbrüder fest. Das Innenministerium warf ihnen unter anderem Randale vor. Die Muslimbruderschaft forderte auf ihrer Internetseite eine internationale Untersuchung der Vorfälle. Das Militär hatte Mursi am 3. Juli nach Massenprotesten abgesetzt. Hunderte Muslimbrüder wurden inhaftiert.

Verbot der Muslimbruderschaft als Startsignal für militante Kräfte?

In Ägypten war es bereits am Samstag zu Gewalt gekommen: Bei einem Feuergefecht zwischen Soldaten und Aufständischen wurden nach Mena-Angaben vier Menschen erschossen. Bewaffnete hatten laut der Meldung einen Armeeposten auf einer Verbindungsstraße zwischen Kairo und der Suezkanal-Stadt Ismailia attackiert. Die Angreifer seien getötet, in ihrem Fahrzeug Sturmgewehre gefunden worden. Am Vortag hatten Unbekannte in derselben Gegend zwei Soldaten erschossen.

Die Social-Media-Redaktion der „tagesschau“ kommentiert auf facebook, dass „der gewaltbereite Teil der Muslimbrüder“ schrumpfe. Leider scheint das eher wenig zu nützen, wenn, wie es seit dem 3. Juli der Fall ist, eher der steigende gewaltbereite Teil der Putschisten und ihrer – nicht selten angeblich „liberalen“ – Apologeten das Hauptproblem des Landes darzustellen scheint.

Zudem befürchten Beobachter, dass das Verbot der im Rahmen der Gesetze des Landes arbeitenden Muslimbruderschaft eine Initialzündung für Kräfte darstellen könnte, die mit dem Argument, die politischen Eliten und der Westen würden islamisch geprägte Regierungen nicht einmal dann akzeptieren, wenn diese demokratisch gewählt würden, zum bewaffneten Kampf aufrufen. (dpa/dtj)