Das türkische Gericht verurteilte Kristian B. zu einer Strafe von insgesamt 16 Monaten und 20 Tagen, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Foto: pxhere.com

Nach einem Monat Untersuchungshaft im türkischen Urlaubsort Antalya ist ein Zahnarzt aus Wuppertal wieder frei. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Der 63 Jahre alte Kristian B. wolle nach der Entlassung aus der Haft noch am Dienstag nach Deutschland zurückkehren, teilte sein Anwalt Ahmet Ünal Ersoy der Deutschen Presse-Agentur mit, da es keine Auflage zur Haftentlassung gebe. Zuvor war der Bundesbürger von einem Gericht in Antalya wegen Beleidigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu einer Strafe von insgesamt 16 Monaten und 20 Tagen verurteilt worden, die auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Das Gericht sah es nach den Urteilsunterlagen auch als erwiesen, dass B. Teile des türkischen Volkes beleidigt habe. Der Anwalt kündigte Berufung an. B. nahm an der Verhandlung persönlich teil. Zuvor hatte es geheißen, er werde per Video zugeschaltet. Der 63-Jährige war Anfang November nach einem Streit um Abstandsregeln am Gepäckband noch im Flughafen in Gewahrsam genommen worden. Eine Frau zeigte ihn unter anderem mit der Begründung an, es seien Worte gefallen, die Erdoğan beleidigt hätten. Der Wuppertaler weist das zurück.

Zeugin sagt aus: „Beschissenes Land“

Vor der Urteilsverkündung hatte das Gericht die in den Streit verwickelte Frau als Zeugin vernommen. Sie warf B. vor, die Türkei, Muslime und Erdoğan beleidigt zu haben. Der Arzt gab zu Protokoll, dass er alle Anschuldigungen zurückweise. Die ihm zugeschriebenen Äußerungen – wie zum Beispiel, die Türkei sei ein „beschissenes Land“ – seien „frei erfunden“. Er habe auch den Präsidenten nicht beleidigt. Er liebe das Land. B. verlangte Freispruch, akzeptierte aber dann die Bewährungsstrafe.

Aktuell befinden sich nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt insgesamt 64 deutsche Staatsangehörige in türkischer Haft. Zudem seien 70 Fälle von Deutschen bekannt, die aufgrund von Ausreisesperren die Türkei nicht verlassen dürften.

dpa/dtj