Appell an Zschäpe: „Sagen Sie aus!“

Mehmet Gürcan Daimagüler, Buchautor („Kein schönes Land in dieser Zeit“) und Rechtsanwalt zweier Hinterbliebenenfamilien der NSU-Terroropfer, hat an die Hauptangeklagte im bevorstehenden Prozess gegen die neonationalsozialistische Terrorzelle, Beate Zschäpe, appelliert, auszusagen und die volle Wahrheit über die Morde und Terrorakte der Jahre 2000 bis 2007 auf den Tisch zu legen.

„Frau Zschäpe hat unendlich viel Leid über Menschen gebracht”, sagte Daimagüler gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger”. Sie müsse sich überlegen, ob sie dieses Leid fortsetzen und verstärken und damit als unbelehrbare Rechtsterroristin in die Geschichte eingehen wolle.

Zudem gehe der Anwalt davon aus, dass eine umfassende Aussage für die Angeklagte in Summe wesentliche Vorteile haben könnte. Denn derzeit riskiere Zschäpe, nach Verbüßung ihrer Haftstrafe in Sicherungsverwahrung und damit nie mehr frei zu kommen, „weil man dann annehmen müsste, dass von ihr auch nach Verbüßung der Haftstrafe ein Risiko ausginge”. Mit einer Aussage als Indiz für eine innere Läuterung würde sie diese Gefahr deutlich senken.

Auch der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, äußerte sich ähnlich. Nötig sei volle Aufklärung über die Hintergründe der Taten. Zschäpe könne eine große Hilfe für die Aufarbeitung sein. Sie solle „auspacken”.

Zuletzt waren Gerüchte aufgekommen, Zschäpe könnte entgegen ihrer bisherigen Prozessstrategie zu einer Aussage vor Gericht bereit sein. Ihre Anwälte haben entsprechende Darstellungen der „Bild“-Zeitung am Montag dementiert. (EPD)