Der 97-jährige Holzfäller Hüseyin Beceren wurde dieses Jahr anlässlich des Arbeitertages als Arbeiter des Jahres ausgezeichnet. Die Auszeichnung übergab ihm der Verein für Arbeit, Kultur und Hilfsorganisation in Denizli (EMEKDER).

Beceren, der immer noch mit dem Verkauf von Brennholz beschäftigt ist, hat 86 Jahre seines Lebens mit der Arbeit verbracht. Mit fünf Jahren im Zuge des Austausches aus Griechenland in die Türkei gekommen, setzte er mit 11 Jahren seinen ersten Schritt in die Arbeitswelt. Anfangs noch verkaufte er Tabak, bevor er 1975 in den Verkauf von Brennholz umstieg. Mit seinen 97 Jahren verdient Beceren sein Geld immer noch mit dem Verkauf von Brennholz und lebt unmittelbar direkt neben seinem Geschäft in einer Ein-Zimmer-Wohnung.

Atatürk erlebt

„Wie schnell diese 97 Jahre vergangen sind, hab ich nie verstanden“, so Beceren, „das Leben ist rasend schnell an mir vorbeigegangen“. Als Kind kam er zusammen mit allen Anwohnern aus 12 Dörfern mit dem Schiff in die Türkei. Atatürk hätte nach ihrer Ankunft den Befehl erteilt: „Verteilt meine Immigranten“. Weil die Familie von Beceren schon immer mit Tabak zu tun hatte, wurden sie nach Denizli geschickt. Manch andere kamen nach Kuşadası, Selçuk, Akhisar oder auch nach Manisa. Als er um die 11 Jahre alt war, sei Atatürk nach Denizli gekommen, um sich zu vergewissern, was mit „seinen Immigranten“ passiert ist. „Atatürk hat den Kindern Bonbons verteilt. Ich habe ihn von ganz nahem gesehen. Was soll ich sagen. Er hat allen Kindern die Augen geküsst“, so Beceren. 

Holzfaller-Huseyin-Beceren

Die Steuern hat er immer gezahlt

Sein Leben sei nicht einfach gewesen, er hätte bei der Armee in den drei Jahren Dienst nie in einem Bett geschlafen. „Gott sei Dank“ habe er keine Beschwerden. Natürlich habe er altersbedingt mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, aber das sei normal. Er sei Rentner und hätte immer seine Steuern bezahlt. „Neulich kam sogar der Direktor des örtlichen Finanzamtes und hat mir ein Radio geschenkt, weil ich seit 1975 als Holzfäller arbeite und immer die Steuern gezahlt habe und noch immer arbeite“, so Beceren. 

Früher konnten die Menschen mehr Holz kaufen

Die Entwicklung seines Landes sei nicht gut. Früher hätten die Menschen eine größere Kaufkraft gehabt. Jetzt würde der Postbote kommen und den Anwohnern 15 bis 20 Briefe wegen deren Kreditschulden bei den Banken bringen. Er mache sich Gedanken um die Türkei. „Es kommen Menschen, die 10 Kilo Holz kaufen wollen. 10 Kilo Holz kosten 3 oder 4 türkische Lira. Manchmal gebe ich das den Menschen einfach so. Früher wurde nicht unter 250 bis 300 Kilo Holz verkauft, das machten 10 Wagen voller Holz aus“.