Berliner Stadtreinigung

Wenn eine Anstalt des öffentlichen Rechts in einem Unternehmensranking wesentliche Konkurrenten aus der Privatwirtschaft aussticht, mag das auf den ersten Blick ein Geschmäckle haben. Immerhin kann eine öffentlich-rechtliche Einrichtung notfalls unter bestimmten Voraussetzungen auf Steuermittel zurückgreifen, wenn sich das finanzielle Risiko verwirklicht, das weitreichende betriebliche Entscheidungen und Weichenstellungen mit sich bringen.

Im Falle der Berliner Stadtreinigung (BSR) relativiert sich dies jedoch, da neben knapp 20 000 Arbeitgebern auch etwa 23 000 Arbeitgeber durch ihre Voten mitbestimmten, wer sich am Ende über die Auszeichnung des „Bester Arbeitgeber Awards“ freuen sollte, den die Zeitschrift „Focus“, das Online-Netzwerk Xing und die Internetplattform Kununu jährlich verleihen.

Die BSR setzte sich in der Branchensparte Rohstoffe, Energie, Ver- und Entsorgung durch und analysiert man die Begründungen, die immer wieder zu den Voten geäußert wurden, kristallisieren sich einige klare Muster heraus, die auch anderen Unternehmen eine Orientierung dahingehend geben, was einen guten Arbeitgeber ausmacht.

Sehr oft wird beispielsweise erwähnt, dass das Unternehmen familienfreundlich ist. Obwohl Schichtdienste und schwierige Arbeitszeiten die Regel sind, sind die BSR stets für dezentrale Vereinbarungen unter Kollegen zum Schichtentausch offen.

Betriebliche Kinderbetreuung, organisierte Ferien

Auch bei der Urlaubsplanung, im Falle der Erkrankung von Kindern und Arztbesuchen wird auf die Bedürfnisse von Familien und Alleinerziehenden Rücksicht genommen. Sogar die Ausbildung kann von jungen Müttern in Teilzeit absolviert werden.

Selbst Mutter-Kind-Kuren oder die Anpassung der Dienstpläne an Kitaöffnungszeiten und Abendstudien sind für die BSR kein Thema – im Notfall springt eine betrieblich organisierte Kinderbetreuung ein oder Kinder dürfen ins betrieblich organisierte Ferienlager fahren.

2009 hatte das Unternehmen eine Kampagne zur Erhöhung des Frauenanteils gestartet und mittlerweile sind 17% der 5300 BSR-Beschäftigten weiblich – in einem Beruf, der lange Zeit als eine Männerdomäne galt. Bereits 2008 hatte die BSR die Voraussetzungen erfüllt, um von der Initiative „Beruf und Familie“ der Hertie-Stiftung eine Zertifizierung als familienfreundliches Unternehmen in Empfang nehmen zu können, allerdings war dies zu einer Zeit, da der Frauenanteil in der BSR noch sehr gering war.

Die Firmenleitung ruhte sich in weiterer Folge nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern baute auf dieser Basis weiter auf. Die Auszeichnung mit dem prestigeträchtigen Award ist der Lohn für die Mühen, die das Unternehmen nicht gescheut hatte, um für Frauen und Familien zur Topadresse als Arbeitgeber zu werden.

BAREX e.V. unterstützt Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Weitere Faktoren im Rahmen der Befragung waren auch das Führungsverhalten der Vorgesetzten, die beruflichen Perspektiven innerhalb des Unternehmens, das Gehalt sowie das Image des Arbeitgebers. Die BSR ist das einzige ausgezeichnete Unternehmen unter Deutschlands 50 besten Arbeitgebern mit Firmensitz in Berlin. Branchenübergreifend und deutschlandweit wurde übrigens Audi zum beliebtesten Arbeitgeber gekürt. Der Berliner Arbeitgeber und Existenzgründer e.V. (BAREX) freut sich mit dem Unternehmen, das bereits seit längerer Zeit Mitglied des Vereins ist und im stetigen Austausch mit dessen Funktionsträgern steht.

Was die BSR vollbringen können, können auch andere Unternehmen schaffen. In Berlin und Brandenburg informiert BAREX auch andere Mitglieder regelmäßig darüber, wie sie beispielsweise durch flexible Arbeitsgestaltung oder familienfreundlichere Arbeitszeiten ihr Prestige als Arbeitgeber erhöhen und auf diese Weise für größere Attraktivität und höheres Interesse qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen können.

BAREX kommuniziert die Erfolge von Unternehmen und deren Best Practices nach außen. Auf diese Weise soll Jungunternehmern geholfen werden, neue Perspektiven zu entwickeln. Darüber hinaus setzt sich BAREX für Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein.