Im bayrischen Germering zündeten Unbekannte ein Flüchtlingsheim an. In der Zuwanderungsdebatte werden Erinnerungen an Solingen und Hoyerswerda wach.

Unbekannte haben am frühen Mittwochmorgen ein Asylbewerberheim im bayrischen Germering angezündet. Die rund 60 Asylbewerber blieben unverletzt. Es besteht kein Zweifel daran, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde. Die Polizei schließt einen ausländerfeindlichen Hintergrund nicht aus.

Dem Polizeibericht zufolge sei der Brand „offensichtlich vorsätzlich“ gelegt worden. Der oder die Täter hatten die Holzfassade in der Mitte des Gebäudes zuerst in Brand gesetzt. Dort befinden sich die Verwaltung des Flüchtlingsheims und Wohnräume.

200.000 Euro Schaden

Bevor die Feuerwehr eintraf, hatte sich das Feuer Zeugenberichten zufolge bereits bis zum Dach ausgebreitet. Dem Einsatz der Feuerwehr ist es zu verdanken, dass weitere Gebäudeteile von den Flammen verschont blieben. Der Schaden wird derzeit auf 200.000 Euro geschätzt.

Ein Bewohner, der erst spät nach Hause kam, hatte das Feuer entdeckt und die übrigen Flüchtlinge gewarnt, so dass sie das Haus rechtzeitig verlassen konnten. Der Heimkehrende berichtete von einer Person, die sich in der Nähe des Flüchtlingsheims aufhielt und, nachdem er sie entdeckt hatte, flüchtete.

Zuvor war einem anderen Bewohner der Asylbewerberunterkunft ein Mann aufgefallen, der an der Fassade des Gebäudes lehnte. Die Polizei vermutet, dass es sich um den gleichen Mann handelt. Er sei dringend tatverdächtig. Die Beschreibung des Unbekannten ist aber mehr als dürftig. Er soll circa 30 Jahre alt und 1,75 Meter groß sein.

Weder am Flüchtlingsheim selbst noch in der Nähe des Gebäudes konnten die Polizisten rechtsextremistische Schmierereien entdecken. Politisch motivierte Straftaten habe es in Germering und Umgebung in der Vergangenheit nicht gegeben.

Anschlagsserie ruft böse Erinnerungen wach

Germering ist kein Einzelfall. In den vergangenen Monaten brannten im gesamten Bundesgebiet mehrfach Asylbewerber- und Ausländerunterkünfte. In Duisburg legten Unbekannte Feuer im Keller eines von Familien aus Rumänien und Bulgarien bewohnten Hauses. 42 Menschen blieb als letzten Ausweg nur die Flucht aufs Dach.

In Luckenwalde in Brandenburg warfen Unbekannte im August einen Molotow-Cocktail in das offene Fenster eines Asylbewerberheims. Der darauffolgende Brand konnte schnell gelöscht werden. Im September brannten Mülltonnen vor einer geplanten Asylbewerberunterkunft im brandenburgischen Premnitz.

Die von der CSU aufgebauschte Zuwanderungsdebatte tut ihr Übriges, um die Stimmung aufzuhetzen. Dass der jüngste Anschlag auf ein Asylbewerberheim ausgerechnet im von der CSU regierten Bayern stattfand, mag Zufall sein. Doch die Anschlagsserie ruft böse Erinnerungen wach.

Anfang der 1990er Jahre warnten die Unionsparteien, ähnlich wie heute, gegen Zuwanderer und schürten Angst vor einer drohenden Flüchtlingswelle. Damals verbrannten Flüchtlinge und Zuwanderer in Rostock-Lichtenhagen, Mölln, Solingen und Hoyerswerda.