Der vorzeitige Abschied des Jean-Claude Juncker

Der Euro ist am Ende und Jean-Claude Juncker, einer der Väter der Gemeinschaftswährung, auch. So oder ähnlich, könnte man meinen, lägen die Zusammenhänge in der Diskussion um Junckers möglichen Rücktritt bzw. Verzicht auf einen Wiederantritt zu den Luxemburgischen Parlamentswahlen 2014.

Mittlerweile wird in deutschen Mainstreammedien zwar auch auf die Geheimdienstaffäre eingegangen, aber im Wesentlichen ohne die brisanten Hintergründe des damit verbundenen Skandals in Luxemburg auszuleuchten. Dies taten in der jüngeren Vergangenheit fast ausschließlich linke Print- und einige Online-Medien wie das Informationsportal Telepolis auf heise.de und die Junge Welt.

Und selbst wenn die sog. „Bombenlegeraffäre“ Erwähnung findet, werden die Hintergründe explizit nicht ausgeleuchtet. Die Verdachtsmomente hinsichtlich der Organisation „Gladio“, d.h. den Geheimdienststrukturen einer Stay-Behind-Armee der NATO, bleiben außen vor und damit der Wahrnehmung einer breiten Öffentlichkeit entzogen. Die Gelegenheit für die Bevölkerung, zu erkennen, dass es nicht nur Verschwörungstheorien, sondern auch echte Verschwörungen gibt, wurde damit erfolgreich torpediert.

Was wusste Juncker über die dubiosen Bombenanschläge?

Während das Handelsblatt hinsichtlich der Begründung des bevorstehenden, unfreiwilligen Ruhestands Junckers auf den Abhörskandal setzt – passend zum gerade aktuellen NSA-Frame – baut DRadio darauf, dass Juncker selbst zum Opfer seines eigenen Geheimdienstes geworden sei. Und das auch nur insoweit, als man dort nicht gerade seine Eigenschaft als „Mr. Euro“ in den Vordergrund schiebt – etwas, das im Zusammenhang mit der Affäre in Luxemburg und mit dem sang- und klanglosen Abgang des Politprofis nun wirklich nicht Thema war. Vom Skandal um die Lügen des Ex-Premiers Santer, der ebenso wie Juncker über den Verdacht klandestiner NATO-Aktivitäten im eigenen Land informiert gewesen sein soll, ist überhaupt nichts mehr zu finden.

Liegt es vielleicht an der Stigmatisierung und Verpöntheit linker Medien, dass deren frühes Aufmerksam machen auf die Fragen rund um eine internationale Geheimdienstkooperation mit führenden staatlichen Stellen und möglichem inszeniertem Terrorismus nicht für relevant befunden und jetzt komplett ausgeblendet werden? Dabei hatte es das Thema sogar einmal in einen öffentlich-rechtlichen Sender geschafft, nämlich in die 3sat-Kulturzeit vom 12. Juli.

Inzwischen herrscht aber wieder ein blindes Orientieren an Agenturmeldungen vor, die sui generis dafür sorgen, dass nur ein kleiner Ausschnitt der Wahrheit multipliziert wird. Es ist bald zu spät, diese Faktoren mitzudenken, wenn man seitens der Mediengewaltigen den eigenen Niedergang und den Siegeszug des Internets bedauert. Oder die Ergebnisse von Studien, denen zufolge die Medien als ähnlich korrupt eingeschätzt werden wie Politiker und Banken.