Der Vormarsch des ISIS im Irak spiegelt sich auch im Internet wider. Dort nutzt die Terrorgruppe systematisch soziale Netzwerke für ihre Zwecke und stellte ihren Anhängern sogar eine eigene App zu Verfügung.

Die Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ (ISIS) eroberte in den vergangenen Tage mehrere irakische Städte, darunter auch die Millionenmetropole Mossul. Dort nahm sie dutzende türkische Staatsbürger als Geisel, darunter auch den türkischen Konsul. Die Gruppe, die über massive Finanzmittel verfügt, ist auch im Netz aktiv. Dort verbreitet sie mit modernsten Mitteln ihre Propaganda und erreicht so ihre Zielgruppe auch in Europa.

Wie setzt ISIS Online-Netzwerke ein?

Die Extremisten gehen im Netz gezielt und professionell vor. Zusätzlich zu eigenen Profilen unterhielten sie eine App, mit der Twitter-Nutzer dem ISIS-Netzwerk beitreten konnten. Einmal installiert, schickte die App Botschaften über die eigenen Accounts der Nutzer, berichtete die US-Webseite „The Atlantic“. Dadurch wurden die ISIS-Tweets massenhaft verbreitet. „ISIS hat online nicht nur starke eigene Unterstützung“, schreibt „The Atlantic“. „Sie setzten auch Social-Media-Strategien ein, um ihre Botschaft zu kontrollieren und aufzublähen.“ Die ISIS-App sei inzwischen aus der Download-Plattform entfernt worden. Die Extremisten stellten zudem Fotos ins Netz, auf denen angeblich Hinrichtungen zu sehen waren.

Wie reagiert die irakische Regierung?

Die Regierung versucht, die Propaganda zu unterbinden. Telefon- und Internetverbindungen sind in dem arabischen Land immer wieder unterbrochen. Zudem werden Webseiten offenbar gezielt blockiert. Der Internet-Analysedienst Renesys berichtete von einer Anordnung des irakischen Kommunikationsministeriums zur Sperre von Online-Netzwerken und Apps. Die Analysefirma Akamai erklärte via Twitter, sie habe in der vergangenen Woche mehrfach Unterbrechungen der Internetanbindung im Irak beobachtet.

Was bedeutet das für die Nutzer?

Eine komplette Internetsperre schneidet reguläre Nutzer von Informationen ab. Sind allein einzelne Webseiten blockiert, können irakische Internetnutzer die Sperren unter Umständen umgehen. Das geht etwa, indem sie über das Anonymisierungsnetzwerk Tor surfen. Die Nutzerzahlen von Tor sind seit Beginn des Konflikts sprunghaft angestiegen. Etwa 12 000 Nutzer wählen sich nach Schätzungen von Tor aus dem Irak ein.

Was tun die Online-Netzwerke?

Twitter und Facebook verweisen auf die Regeln der Netzwerke, die Gewaltdrohungen verbieten. Facebook entfernt Inhalte, die als Androhung körperlicher Gewalt oder „Bedrohung der öffentlichten Sicherheit“ eingestuft werden. „Sie dürfen andere nicht ernsthaft bedrohen oder tatsächliche Gewalt organisieren“, erklärte eine Sprecherin. Twitter will Anfragen zu einzelnen Profilen nicht kommentieren, erklärt aber ebenfalls, dass über das Online-Netzwerk keine direkten Gewaltdrohungen verbreitet werden dürfen. (dpa/dtj)