Symbolfoto: Menschen mit Koffern stehen am Flughafen. Foto: Clara Margais/dpa

Die türkische Regierung hat eine Warnung vor der Flucht von Studierenden und Lehrenden ins Ausland über das Studienaustausch-Programm ausgesprochen.

Das Bildungsministerium habe zuständige Stellen im Land aufgefordert, Bewerber, die potenziell im Ausland Asyl beantragen könnten, nicht in das Erasmus-Programm aufzunehmen. Das berichtete etwa die Zeitung „Sözcü“ am Mittwoch. Wie viele dieser Fälle es tatsächlich gegeben hat, war zunächst nicht klar.

Die Türkei steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise, die auch die Jobaussichten von Studierenden trüben. Hinzu kommt ein zunehmend autoritärer Regierungsstil der AKP-Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan.

Türkei für viele junge Menschen nicht mehr attraktiv

Laut Daten des türkischen Statistikamts TÜIK aus dem Jahr 2019 wanderten in jenem Jahr mehr als 330.000 Menschen aus der Türkei aus, das war ein Anstieg von 2 % gegenüber dem Vorjahr. TÜİK veröffentlicht seit zwei Jahren keine Daten zur Auswanderung.

Laut einer von der Yeditepe Universität und MAK Consulting im August 2020 veröffentlichten Studie wollen 76 % der Jugendliche die Türkei verlassen, wenn sie die Möglichkeit erhalten, vorübergehend zu Bildungs- und Geschäftszwecken in einem anderen Land zu leben. Rund zwei Drittel der Befragten sagen, dass sie das Land verlassen werden, wenn sie dauerhaft die Staatsbürgerschaft eines anderen Landes erhalten.

Auch viele Ärzte sind in den letzten Jahren ins Ausland gegangen. Die zunehmende Gewalt in türkischen Arztpraxen und Krankenhäusern und die finanziell besseren Aussichten in anderen Ländern gelten als Hauptgründe dafür. Mit mehr Sicherheits- und Wachpersonal sowie verstärkten Kontrollen will Gesundheitsminister Fahrettin Koca dem Problem begegnen.

dpa/dtj