Auf diesem Symbolfoto sind Unterrichtsmaterialien für die deutsche Sprache zu sehen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Rund 6,2 Millionen Menschen in Deutschland können nach Experten-Schätzung nicht oder nicht ausreichend lesen und schreiben.

Beides sei aber zentral für eine berufliche und gesellschaftliche Teilhabe, betonte das Forschungsnetzwerk AlphaFunk am Mittwoch in Duisburg. Bei Erwachsenen mit geringen schriftsprachlichen Fähigkeiten handele es sich nicht um eine homogene Gruppe, sagte Netzwerk-Leiter Michael Schemmann.

Entsprechend müsse man versuchen, diese Menschen noch stärker, gezielter und auf den unterschiedlichsten Wegen für Angebote der Alphabetisierung und Grundbildung zu gewinnen. Neben den bewährten Weiterbildungsstrukturen mit den Volkshochschulen als zentralen Akteuren seien auch Kooperationen etwa mit sozialen Diensten oder Fußballvereinen wichtig.

Schemmann zufolge ergab eine Analyse des Netzwerks zudem, dass aufsuchende Angebote besonders wichtig seien – also in die Stadtteile hineinzugehen. Als Einstieg könnten auch mal Nähkurse oder Sportangebote dienen.

Viele Ausreden erschweren die Erhebung

Nach Bundesländern aufgeschlüsselte Schätzzahlen gebe es zwar nicht. Es handele sich aber um „erschreckend“ viele Betroffene – „und das findet in jeder Kommune statt“, schilderte der Parlamentarische Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium, Klaus Kaiser. Man komme an die Menschen oft nur schwer heran, weil das Thema mit einem Tabu belegt sei und viele Betroffene Strategien zur Verdeckung entwickelt hätten. So heiße es: „Ich habe gerade meine Brille nicht dabei, würden Sie mir den Text bitte vorlesen?“ Oder auch: „Das Formular fülle ich lieber in Ruhe zuhause aus.“

Das vom Land NRW geförderte Forschungsnetzwerk AlphaFunk ist ein Kooperationsprojekt der Universitäten Köln und Duisburg-Essen sowie dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung in Bonn.

dpa/dtj