Am Dienstag fand in Berlin die offizielle Gründungsveranstaltung der Stiftung Dialog und Bildung statt. Ihr Auftrag ist es, über die von Fethullah Gülen inspirierte Hizmet-Bewegung in Deutschland zu informieren und Ansprechpartnerin für Medien, Politik und Wissenschaft zu sein.

Zu den Rednern des Abends gehörte auch Abdullah Aymaz. Er sitzt im Aufsichtsrat der Stiftung Dialog und Bildung. Aymaz war einer der ersten Schüler Fethullah Gülens. DTJ dokumentiert sein Grußwort.

Im Jahre 1994 wurde in der Türkei die Schriftsteller- und Journalistenstiftung ins Leben gerufen. Denn zu der Zeit war es in der Türkei gang und gäbe, dass Konflikte zwischen Laizisten und Antilaizisten, Aleviten und Sunniten, Kurden und Türken sowie Muslimen und Nicht-Muslimen geschürt und provoziert wurden. Dahinter steckte eine böse Absicht, und die Medien ließen sich dafür – wissentlich oder unwissentlich – instrumentalisieren. Unser Ziel war es, mit allen Verlegern und leitenden Redakteuren Kontakt aufzunehmen, um die genannten Konflikte zu entschärfen und das Leben zu normalisieren.

Den Anfang machten wir damit, dass wir alle Beteiligten zum gemeinsamen Fastenbrechen im Monat Ramadan einluden. In der Folge gingen wir sie besuchen. Der Besuch beim griechisch-orthodoxen Patriarchen Bartholomäus I. ebnete den Weg für den Besuch bei Papst Johannes Paul II. Während einer meiner Reisen, die ich am 14. März 1997 antrat, überreichte ich dem Papst einen Brief von Fethullah Gülen. Das war am 19. März. Danach besuchte Gülen den Papst im Vatikan selbst. Daran schloss sich das Treffen zwischen Gülen und dem Oberrabbiner von Jerusalem Eliyahu Bakshi Doron an. Der Oberrabbiner besuchte Gülen in Istanbul.

Wir waren in allen Medienhäusern zu Besuch. Gegenbesuche folgten, Mediendelegationen statteten Gülen einen Besuch ab.

Wir erklärten uns bereit, Artikel von Kolumnisten anderer Zeitungen in der Tageszeitung Zaman zu veröffentlichen. Wir überließen es diesen Zeitungen, ob sie auch Texte von unseren Kolumnisten übernehmen oder nicht. Das war kein Handel, es ging uns um den Austausch. Deswegen haben wir alle Kolumnen, die sie uns zukommen ließen, drei Monate lang veröffentlicht, auch wenn der Inhalt mit unserer Redaktionslinie nicht übereinstimmte.

Die schwierige Situation der Nichtmuslime in der Türkei

Uns war es wichtig, alle einzubeziehen – und mit diesem Schritt ist uns das damals auch gelungen. Eine weitere sehr wichtige Gruppe für uns waren die nichtmuslimischen Minderheiten. Denn die Zypernfrage hatte auch Einfluss auf die Lage der griechisch-orthodoxen Gemeinde in der Türkei, obwohl sie türkische Staatsbürger und Einheimische dieses Landes waren. Sie traf keine Schuld, dennoch waren sie verängstigt. Es hatte einen tiefen Sinn, dass Gülen als ein anerkannter und beachteter Meinungsführer den Bartholomäus I. umarmte.

Bei dem Konflikt um Berg-Karabach ging es zwar um eine Streitigkeit zwischen Aserbaidschan und Armenien, jedoch wirkte er sich auch negativ auf die Armenier in der Türkei aus. Das Treffen zwischen Gülen und dem armenischen Patriarchen, gegenseitige Einladungen zum Fastenbrechen und die Medienberichterstattung darüber zeigten positive Wirkungen.

Der Nahost-Konflikt wirkte sich negativ auf die jüdischen Bürger der Türkei aus. Die öffentlichen Begegnungen von Gülen mit dem Oberrabiner der Türkei und dem Oberrabiner von Jerusalem sowie die Berichterstattung in den Medien hatten eine beschwichtigende Wirkung auf die Öffentlichkeit und waren für die Juden in der Türkei eine große Unterstützung.

Seit 1999 sind wir in Deutschland im Bereich des Dialogs aktiv. Nachdem die Gründung eines Vereins für den Dialog auch von weiteren Mitstreitern als notwendig erachtet wurde, gründeten wir am 4. Februar 2002 das Forum für Interkulturellen Dialog mit Sitz in Frankfurt. Der Verein diente als Forum, in dem sich viele Menschen für die Dialogarbeit engagierten.

In diesem Land, in Deutschland, haben wir eine neue Heimat, oft einen neuen Lebenspartner oder eine -partnerin und Arbeit gefunden. Wir möchten, dass die Idee des Dialogs größere Kreise erfasst und wirkungsvollere Wege der Umsetzung findet. An dem Ziel, dass unsere Menschen (die Deutschtürken) sich als ein Teil dieses Landes sehen und begreifen, wollen wir mitwirken. Unser Ansatz bei der Gründung dieser Stiftung ist es, gute Erfahrungen im Dialog, die wir in der Türkei gesammelt haben, nach Deutschland zu bringen. Dafür setzen wir uns ein.