Symbolfoto: Eine Paprika wird auf einem Berliner Wochenmarkt über eine Obst- und Gemüsetheke gereicht. Foto: Christoph Soeder/dpa

Das Leben in der Türkei bleibt teuer. Im Mai erhöhten sich die Lebenshaltungskosten gegenüber dem Vorjahresmonat um 73,5 Prozent.

Die Inflation in der Türkei steigt weiter. Im Vormonat hatte die Rate knapp 70 Prozent betragen. Analysten hatten für Mai im Schnitt mit 76,5 Prozent gerechnet. Im Monatsvergleich erhöhten sich die Verbraucherpreise um knapp drei Prozent, wie das nationale Statistikamt am Freitag in Ankara mitteilte.

Noch wesentlich stärker als die Konsumentenpreise steigen die Herstellerpreise. Auf Jahressicht erhöhten sich die Preise, die Produzenten für ihre Güter erhalten, im Mai um rund 132 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat schlägt ein Anstieg von 8,8 Prozent zu Buche. Die Erzeugerpreise fließen in der Regel zeitverzögert und teilweise in die Verbraucherpreise mit ein.

Notenbank untätig

Die hohe Inflation in der Türkei hat mehrere Ursachen. Eine davon ist die schwache Landeswährung Lira, die importierte Waren und Dienstleistungen verteuert und damit die Inflation anfacht. Hinzu kommen starke Verspannungen im Welthandel, die ihre Ursache in der Corona-Pandemie, dem Ukraine-Krieg und der strengen Corona-Politik Chinas haben.

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Die türkische Notenbank stemmt sich nach Meinung vieler Ökonomen nicht entschlossen genug gegen die hohe Teuerung. Vielmehr haben die Währungshüter ihre Geldpolitik seit vergangenen Sommer gelockert – auf Anweisung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Sein Finanzminister sieht die Zahlen ohnehin gelassen. „Die veröffentlichten Zahlen zeigen, dass die Inflation nicht mehr so stark ansteigt und sich tendenziell im Abschwung befindet“, schrieb Nureddin Nebati auf Twitter.

Dem Statistikamt wird regelmäßig vorgeworfen, die wahren Zahlen zurückzuhalten oder gar zu manipulieren. Laut ENAG, einer unabhängigen Untersuchungsgruppe, betrug die Inflation im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat 160,76 Prozent.

dtj/dpa