An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg ist es möglicherweise zu zwei islamfeindlich motivierten Anschlägen gekommen.

Wie erst jetzt bekannt wurde, haben bisher unbekannte Täter am 6. und 12. Juni 2014 die Gebetsteppiche der Studierenden in Brand gesteckt. Beim zweiten Anschlag konnte der Brand jedoch nicht mehr rechtzeitig gelöscht werden. Der Schaden soll immens sein. Auch der Kellergang, in dem die Muslime notgedrungen ihre Gebete verrichteten, sei durch den Brand beschädigt worden. Das berichtet islamiq.de.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) vermutet hinter dem Brandanschlag islamfeindliche Motive und sieht einen Zusammenhang zu einem „antimuslimischen Rassismus“ an der HAW. Die Täter hätten billigend in Kauf genommen, dass Personen und Teppiche Schaden erleiden. Auch der HAW-Leitung werden Vorwürfe gemacht. Der AStA bemängelt, dass es weiterhin keinen Gebetsraum für gläubige Studierende an der HAW gibt.

Im Unterschied zur Situation an der Universität Hamburg, wo es seit mehreren Jahren einen „Raum der Stille“ für religiöse Studenten gibt, wird ein ähnliches Anliegen seitens der Leitung der Fachhochschule immer wieder obstruiert. Die muslimischen Studenten gehen davon aus, dass dies eine Form der Kollektivbestrafung dafür darstellen könnte, dass auch einer der Attentäter vom 11. September 2001 Student an der HAW war.

Die Muslime beteten seither in einem Kellergang des Gebäudes Berliner Tor 21. Ein Ausweichen in die nächstgelegenen Moscheen im Stadtteil St. Georg hätte Zeitverluste zur Folge gehabt, die Nachteile beim Besuch von Vorlesungen und Seminaren nach sich gezogen hätten.

Täter hatte nur eine halbe Stunde Zeit

Beim ersten Anschlag am 6. Juni 2014 hatte eine Mitarbeiterin der HAW, so islamiq.de, per Zufall den Brand entdeckt und ihn schnell löschen können. Der Hausmeister hätte daraufhin die Gebetsteppiche für die Studierenden in einem Schrank verwahrt. Beim zweiten Anschlag am 12. Juni hätten Studierende das Gebet verrichtet und die Teppiche dann etwa eine halbe Stunde lang unbeaufsichtigt im Keller liegen lassen – damit auch andere Studierende sie nutzen konnten. In dieser Zeit wurden die Gebetsteppiche erneut angezündet. Die Feuerwehr musste zum Löschen anrücken.

Der AStA forderte nun das Präsidium der HAW auf, sich entschlossen gegen antimuslimischen Rassismus zu stellen und sich intensiv an der Aufklärung des Falles zu beteiligen. Darüber hinaus wurde gefordert, dass die Gebetssituation an der HAW für die Studierenden verbessert werden soll.

Auf der Homepage und auch im Pressebereich der HAW werden die beiden Anschläge nicht erwähnt. Gegenüber der Hamburger Morgenpost wurde der Vorfall von der Pressestelle der HAW „aufs Schärfste verurteilt.“ Man habe jedoch keine Anhaltspunkte für einen „fremdenfeindlichen oder islamfeindlichen Hintergrund“ der Tat, wurde mitgeteilt.

Bildung schützt vor Torheit nicht

Dass auch an Universitäten islamfeindliche Tendenzen zunehmend an Raum gewinnen, vermag indessen nicht zu verwundern. Die Rechtsextremismus-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahre 2012 hatte bereits gezeigt, dass islamfeindliche Einstellungen nicht mit steigendem Bildungsgrad oder höherem Einkommen abnehmen.

Einer im Februar 2014 im Jüdischen Museum Berlin vorgestellten Studie zufolge kann akademische Bildung zwar die Überwindung rassistischer Vorurteile erleichtern, eine Immunisierung dagegen stellt höhere Bildung jedoch nicht dar. Der Studie zufolge hätten Studenten an der Universität Osnabrück und der University of Victoria in British Columbia (Kanada) die gleichen Vorurteile wie die Mehrheit der Bevölkerung offenbart – auch Sprachkenntnisse, internationale Studiengänge, Auslandspraktika und Kommilitonen aus der ganzen Welt änderten nichts Wesentliches daran.

Sowohl in Osnabrück und auch in Victoria distanzierten sich nur wenige Studierende klar von diskriminierenden Aussagen zum Thema Judentum und Islam.

„Höher gebildete Menschen überschätzen sich in der Regel in ihrer Freundlichkeit“, zitierte das Migazin daraufhin Prof. Dr. Zick, Sozialpsychologe und Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld. Für ihn ist nicht die Bildung, sondern das Menschenbild und die politische Kultur einer Person ausschlaggebend für negative Vorurteile.