Ein trauernder Mann beim Beerdigungsgebet von Abdulkadir Molla.

Zu den einflussreichsten Faktoren hinter den aktuellen Unruhen und dem Chaos in der muslimischen Welt gehören neben hausgemachten Ursachen auch die Gier einiger westlicher Länder ebenso wie deren Sichtweise auf den Islam.

Unglücklicherweise wird der Islam in den meisten westlichen Ländern vorwiegend mit Terrorismus in Verbindung gebracht. Die Medien, bürgerliche Verbände, einige radikale christliche Bewegungen und sogar Politiker haben ihren Anteil an der Entstehung eines derart negativen Islambildes.

Obwohl islamfeindliche Stimmungen ihren Höhepunkt im Gefolge der Terrorattacken des 11. Septembers gefunden haben, reicht deren Ursprung bis vor die Kreuzzüge zurück.

Zweifelsohne können der Einfluss und die Rolle der muslimischen Welt und ihrer Gesellschaften, also Faktoren im eigenen Bereich, bei der Verschlimmerung dieser Abneigungen, die wir schlicht als Feindseligkeit gegenüber dem Islam betrachten können und auch sollten, nicht unbeachtet bleiben.

Heute kann man starke radikale Bewegungen in vielen muslimischen Ländern beobachten, von Afghanistan über Nigeria und den Irak bis zu den Golfstaaten. Bomben detonieren tagtäglich in unterschiedlichen Teilen der muslimischen Welt und viele Menschen werden bei diesen Angriffen ermordet. Aber was steckt hinter diesen Attacken? Sind nicht sowohl Mörder als auch Opfer Muslime?

Geheimdienste mögen instrumentalisieren, die Bomben legen aber Muslime selbst

In der muslimischen Welt, in der Verschwörungstheorien eine nicht unerhebliche Bedeutung entfalten, glauben die meisten, dass westliche Geheimdienste die mörderischen Terrororganisationen unterstützen. Obwohl diese Argumentation nicht immer völlig ohne Grundlage ist, sind es am Ende aber doch Muslime, die die Bomben hochjagen. Und wenn sie diese Bomben verwenden, beziehen sie sich dabei auf verdrehte und aus dem Zusammenhang gerissene Stellen aus dem Koran, welche sie missdeutet haben.

Wofür und gegen wen zündet ein Taliban-Mitglied heutzutage in irgendeiner Ecke von Afghanistan eine Bombe? Oder wie können Schiiten und Sunniten im Irak, wo die religiöse Kluft Blutvergießen verursacht, Selbstmordattacken gegeneinander ausführen? Trotz der Tatsache, dass der Islam solche Handlungen ächtet, werden Muslime in jedem Teil der muslimischen Welt im Namen des Islam getötet.

Hat sich die muslimische Welt je vereinigt, um sich diesem Problem zu stellen? Mitnichten. Einige muslimische Länder stellen sogar Ressourcen für die radikalen Elemente zur Verfügung. Einige finanzieren sie sogar, während andere die ideologischen Grundlagen schaffen. Auf der anderen Seite begehren einige muslimische Länder auf, wenn Angriffe in der westlichen Welt stattfinden, wohingegen Bombenangriffe und Selbstmordattacken in Afghanistan, dem Irak und Nigeria als normal betrachtet werden.

Wenn die muslimische Welt den Islamhass im Westen bekämpfen möchte, muss sie zuerst die Bombenangriffe und radikalen Bewegungen auf ihrem eigenen Grund und Boden bekämpfen. Muslimische Gelehrte sollten nachdrückliche Botschaften gegen Radikalismus aussenden. Unglücklicherweise findet dies noch nicht in dem Ausmaße statt, das erforderlich wäre. Es müssten noch viel mehr islamische Gelehrte als bisher beispielsweise Al Qaida als eine terroristische Organisation verdammen, die das Image des Islam untergräbt.

Angst gebiert Schweigen der Gelehrten

Stattdessen gibt es trotz allem immer noch viele muslimische Gelehrte, die Al Qaida und ihre mörderischen Aktionen verharmlosen oder sogar rechtfertigen. Oder sie kämpfen nicht ausreichend gegen die Bewegungen an, welche die ideologischen Grundlagen für solche Organisationen wie Al Qaida oder die Taliban schaffen. Verse über den Jihad aus dem Koran werden immer noch als Rechtfertigung für den Mord an Menschen und das Zünden von Bomben ausgelegt.

Aus Angst, selbst verfolgt und ermordet zu werden, verabsäumen es viele Gelehrte, einen klaren Standpunkt gegen Al Qaida und die Taliban zu beziehen. Wenn wir als muslimische Welt aber – im Regelfall durchaus zu Recht – dem Westen Scheinheiligkeit angesichts seiner eigenen Feindseligkeit gegenüber dem Islam vorwerfen, müssen wir auch selbst bereit sein, mutige Schritte zu gehen.

Wir müssen zeigen, dass der Islam eine Religion ist, die den Frieden zu erhalten sucht. Aber unglücklicherweise gibt es Chaos und Aufstände in jedem Teil der muslimischen Welt. Viele Muslime werden im Namen des Islam getötet; die Zahl solcher Opfer ist weit größer als die der von den USA, Russland oder Großbritannien getöteten.

Bedauerlicherweise werden die Länder, in denen die radikalen Bewegungen ihre Hauptoperationsbasis haben, von Diktaturen verwaltet und diese Regime werden nicht selten von westlichen Ländern, inklusive den USA, kontrolliert. Dies stellt aber auch das größte Problem bei der Bekämpfung dieser Tendenzen dar.

Wenn auch westliche Länder den Islamhass als Druckmittel gegen islamische Länder instrumentalisieren, kann die Rolle der muslimischen Welt beim Entstehungsprozess des Islamhasses nicht ignoriert werden.