Der stellvertretende Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei, der Republikanischen Volkspartei (CHP), Faruk Loğoğlu, weilt derzeit in Ägypten, um mit den Vertretern mehrerer politischer Parteien Gespräche abzuhalten. In diesem Zusammenhang äußerte er, Ägypten erwarte von der Türkei ein Ende ihrer Lobbyarbeit gegen die Putschregierung, vor allem in Europa.

„Die ägyptischen Autoritäten sind sehr ungehalten über die Position Ankaras gegenüber Ägypten und über die Lobbyarbeit der Regierung gegen die derzeitige Führung“, äußerte Loğoğlu am Dienstag von Kairo aus gegenüber Today’s Zaman.

Der Besuch Loğoğlus und des CHP-Abgeordneten Osman Korutürk (Istanbul) findet zu einer Zeit statt, da die offiziellen Beziehungen zwischen Kairo und Ankara einen historischen Tiefpunkt erreicht haben, nachdem Ankara den Militärputsch gegen die von den Muslimbrüdern geführte Regierung sowie die gewaltsame Niederschlagung eines Sit-Ins von Anhängern des gestürzten Präsident Mohammad Mursi in schärfster Weise verurteilt hatte.

Die CHP-Delegation traf dabei unter anderem mit dem ägyptischen Außenminister Nabil Fahmy zusammen. Dieser habe Loğoğlu zufolge die Wichtigkeit der wechselseitigen Beziehungen unterstrichen. „Die ägyptische Seite fordert Ankara auf, in ihrer Beziehung zu Ägypten vorsichtig zu agieren, um weitere Belastungen des bilateralen Verhältnisses zu vermeiden“. Fahmy hatte Ankara kürzlich eine feindselige Haltung Ägypten gegenüber vorgeworfen, nicht nur in Stellungnahmen, sondern auch in ihren Handlungen auf internationaler Ebene.

Loğoğlu: „Diese Regierung wird noch länger im Amt bleiben“

Loğoğlu mahnte die Regierung in Ankara zu einer neutralen und inklusiven Politik gegenüber Ägypten. Es sehe sehr stark danach aus, als ob die neue Regierung über längere Zeit das Sagen haben werde. Die Beziehungen zu Ägypten abzubrechen würde bedeuten, alle politischen Institutionen zu isolieren und türkischen Wirtschaftstreibenden die Tätigkeit zu erschweren. „Unsere Anliegen mit Blick auf die Bedingungen für türkische Wirtschaftstreibende in Ägypten haben in hohem Maße ein offenes Ohr gefunden“, betonte Loğoğlu.

Die CHP-Delegation habe auch die Situation in Ägypten inhaftierter türkischer Staatsbürger angesprochen, unter anderem die des TRT-Reporters Metin Turan, der derzeit im Tora-Gefängniskomplex im Süden Kairos festgehalten wird, und die des Geschäftsmanns Reşat Öztürk, der wegen eines angeblichen Spionageverdachts festgenommen wurde.

Mit Mursi hat sich die Delegation nicht treffen können, so Loğoğlu, aber mit Vertretern der Muslimbruderschaft. Auch CHP-Parteichef Kemal Kılıçdaroğlu hatte im Vorfeld der Reise betont, man wolle sich mit deren Vertretern und mit Mursi treffen. „Wir unterstützen weder Mursi noch sonst jemanden. Wir müssen objektiv sein“, unterstrich Kılıçdaroğlu.

Die türkische Regierung kritisierte den Besuch der CHP-Delegation scharf. Ein Sprecher interpretierte die Reise als einen Versuch, das Putschistenregime zu „legitimieren“.