In der türkisch-armenischen Community ist eine heftige Debatte über das Verhältnis der Community gegenüber dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und der von der Adalet ve Kalkınma Partisi (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung; AKP) geführten Regierung ausgebrochen. Die beiden Gegenpole bilden dabei der regierungsfreundliche Journalist Markar Esayan (re.) und der Kritiker Rober Koptaş (li.).

Letzterer, Chefredakteur der vom 2007 ermordeten Hrant Dink gegründeten, in Istanbul erscheinenden Wochenzeitung Agos, hat Esayan, der für die regierungsfreundliche Tageszeitung Yeni Şafak schreibt, in einer Kolumne auf Grund seiner Regierungsloyalität einen „Trogfresser“ genannt. Die beleidigende Kolumne kam als Reaktion auf Esayans Aufruf an die Agos, ihren Status als „Randpublikation“ zu beenden und stattdessen Teil der „neuen Medienordnung“ in der Türkei zu werden.

Esayan behauptete, Agos würde innerhalb der kleinen armenisch-türkischen Community ein ähnlich marginales Element ansprechen wie beispielsweise die linksextreme Tageszeitung BirGün. Esayan verwies darauf, dass seinen Beobachtungen nach 50% der armenischen Community die AKP unterstützen würden. Agos solle vor diesem Hintergrund von ihrem „linken Romantizismus“ Abschied nehmen – zumal in der Vergangenheit linke Armenier sich mit dem „Komitee der Vereinigung für den Fortschritt“ (İTC) verbündet hätten, die immerhin führend an der Vertreibung der Armenier aus dem Osmanischen Reich teilgenommen habe.

Esayan wird vorgeworfen, „Hausarmenier“ zu sein

Koptaş wies eine Verbindung der Agos zu İTC zurück und betonte, die Zeitung werde, während es einige armenische Autoren für richtig hielten, die AKP bedingungslos zu unterstützen, zu keinem Instrument welcher politischer Macht oder einzelner Community auch immer werden.

Man sei über den Weggang Esayans, der seine journalistische Karriere bei Agos begonnen hatte, glücklich gewesen, weil dieser Arroganz an den Tag gelegt habe. Esayan habe sich vergeblich bemüht, von der AKP für ein Parlamentsmandat nominiert zu werden. Trotz vieler Armenier, die sich ebenso wie Esayan den Regierenden fügen würden, bliebe dieser eben für die Eliten immer noch ein Armenier. Das heißt, er würde nicht gebraucht, um selbst politische Verantwortung zu übernehmen, aber wäre gut genug, um von Zeit zu Zeit gegen die „schlechten Armenier“ zu agitieren.

Wen aber vertreten die Intellektuellen, außer sich selbst?

Einen ähnlichen Krieg der Worte gab es bereits im August zwischen dem Taraf-Kolumnisten Hayko Bağdat und Akşam-Autor Etyen Mahçupyan. Letzterer hatte die Mehrheit der armenischen Intellektuellen als „Clowns“ abqualifiziert. Bağdat nannte Mahçupyan daraufhin einen „Hofnarren“, der die Politik Erdoğans und der AKP rechtfertige.

„Clowns bringen Kinder wenigstens zum Lachen, während Hofnarren diejenigen unterhalten, die den Befehl geben, diese zu töten“, so Bağdat in Anspielung auf mehrere Teenager, die im Zuge der Gezi-Krawalle nach harten Polizeieinsätzen getötet worden waren.

Beide Kolumnen wurden häufig in sozialen Medien geteilt.