2. Juli soll „Tag des Verständnisses, der Liebe und des Respekts“ werden

Vahap Seçer, ein CHP-Abgeordneter aus der südtürkischen Provinz Mersin, hat im Zusammenhang mit dem Madımak-Hotelbrand von 1993 den Vorschlag unterbreitet, dass der Jahrestag des Brandes zum nationalen „Tag des Verständnisses, der Liebe und des Respekts“ erklärt werden soll. Jährlich solle auf diese Weise offiziell der 37 Todesopfer gedacht werden.

In einem dem Parlamentsvorsitzenden vorgelegten Schreiben plädiert Seçer dafür, „den nachfolgenden Generationen mit dem Gedenktag und den damit verbundenen Aktionen am 2. Juli die Bedeutung einer in Respekt und Toleranz zusammenlebenden und sich wechselseitig achtenden Vorzeigegesellschaft aufzuzeigen“.

In dem Schreiben, das auch auf einen ähnlichen tragischen Fall in Başbağlar bei Erzincan Bezug nimmt, bedauert der CHP-Abgeordnete das Versagen staatlicher Behörden 1993 in Sivas und bei späteren Ereignissen. „Leider ist es damals nicht gelungen, die Hintermänner dieser Taten zu ermitteln, sie zu Rechenschaft zu ziehen und so das öffentliche Gewissen zu erleichtern.“

Aus den Fehlern lernen…

Anatolien sei mit seinen universellen und jederzeit zeitgemäßen Werten jahrhundertelang Heimat für verschiedenste Völker gewesen. „Die Menschen, die in dieser Region Spuren hinterlassen haben, Wegweiser für andere gewesen sind, haben die Lebensphilosophie des Anatoliers geprägt. Dies muss auch unser Weg sein. Es ist unsere Pflicht, die nachfolgenden Generationen an diesen Weg zu erinnern. Ein Gedenktag am 2. Juli könnte dabei sehr hilfreich sein. Das erlittene Leid und die Trauer können uns dabei helfen, aus unseren Fehlern zu lernen, um künftig Ähnliches nicht mehr zu erleben.“

Bei dem Brandanschlag in Sivas waren am 2. Juli 1993 insgesamt 37 Menschen zumeist alevitischen Glaubens ums Leben gekommen. Eine aufgebrachte Menge hatte sich vor dem Madımak-Hotel versammelt, in dem Aziz Nesin und andere alevitische Persönlichkeiten logierten. Hintergrund waren provokative Aussagen Nesins, der einen Großteil der türkischen Bevölkerung für „dumm und feige“ erklärt hatte. In der aufgeheizten Stimmung wurden schließlich Brandsätze auf das Hotel geworfen. Sunniten und Aleviten beschuldigen einander seitdem wechselseitig, die Verantwortung für den Vorfall zu tragen. Allerdings führte er auch zu einer Annäherung beider Seiten im Konsens, solche tragischen Ereignisse in Zukunft abwenden zu wollen.