Ein kleines Mädchen lächelt vor dem Portrait von Nelson Mandela - dpa

Am 11. Februar 1990 wurde Mandela aus der Haft entlassen. Schon am selben Tag leitete er in seiner Rede öffentlich seine Politik der Versöhnung ein, indem er alle Menschen zur Mitarbeit an einem „nicht rassistischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle“ einlud.

Ein Jahr später wurde Mandela zum Präsidenten des ANC und am 9. Mai 1994 vom Parlament zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. 1993 erhielten Mandela und Reformpräsident Willem de Klerk gemeinsam den Friedensnobelpreis. Die ganze Welt ehrte ihn aber nicht nur, weil er ein Präsident war und den Nobelpreis erhielt, sondern weil er für das Ende der Apartheid, für die Humanität und die Versöhnung der Menschen gelebt hatte.

Im Jahr seiner Freilassung war ich 16 Jahre alt und hatte den Namen Nelson Mandela bis dahin nicht gehört oder zumindest nicht wahrgenommen. Ich war an einer Berufsfachschule, um meine mittlere Reife zu erreichen. Zwei Mitschüler hielten im Fach Gemeinschaftskunde ein Referat über Nelson Mandela. Ich erfuhr an diesem Tag, wer diese besondere Persönlichkeit war. Interessant war aber, dass diese Person zu dieser Zeit bereits 71 Jahre alt und 27 Jahre in Haft gewesen war.

Welche Geduld, Kraft und Hoffnung musste dieser Mensch haben? Er inspirierte uns. Es lohnt sich also, die Schule zu besuchen, es lohnt sich, geduldig nach seinen Zielen zu streben, es lohnt sich, hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken. Wenn er das kann, dann können wir es auch! Um etwas verändern zu können, muss man also bei sich selbst anfangen. Begegnung, Dialog, Toleranz und Versöhnung fanden dann zunächst im Freundeskreis und in der Schule statt.

Mandela hat auch uns geholfen, an uns zu glauben

Trotz seines Alters und seiner gesundheitlichen Situation kam der Tod Mandelas für viele Menschen in Südafrika und auch der restlichen Welt überraschend. Das Land hat seine Symbolfigur verloren, die Menschen ein Vorbild. Wie viele andere Persönlichkeiten hat auch Nelson Mandela das 20. Jahrhundert mitgeprägt. Statt sich den Rachegedanken und der Trauer hinzugeben, hat er es geschafft, nach 27 Jahren Haft weiter für das Gute bzw. den Frieden zu leben und die Menschen für das Gute zu begeistern.

Der Hass, den die weißen Rassisten unter der schwarzen Mehrheitsbevölkerung gesät hatten, war kaum kaputtzukriegen. Mit Mandela erlangte Südafrika aber eine Demokratie. Der Methodist Mandela vertrat die Ansicht, niemand werde mit Hass geboren; Menschen müssten erst zu hassen lernen: „Wenn sie zu hassen lernen können, dann kann ihnen auch gelehrt werden, zu lieben.”

Nun muss diese Idee Mandelas weitergeführt werden. Weil gerade er sein Leben für sein Ideal geopfert hat, wachsen heute in Südafrika die Kinder mit mehr Selbstvertrauen auf. Den meisten Kindern ist bestimmt nicht ganz klar, was dieser besondere Mensch für die gegenwärtige Situation in Südafrika geopfert hat. Umso mehr sollten die Kinder heute daran erinnert und ihnen bewusst gemacht werden, dass sie gut daran tun, mit Mut und Geduld nach dem Ziel zu streben, den Frieden in dem Land zu fördern und zu halten.

„Wer feststellen will, ob er sich verändert hat, der sollte zu einem Ort zurückkehren, der unverändert geblieben ist”, so Mandela. Funktionsträger wie Präsidenten oder Minister kommen und gehen, wichtig ist, dass die Idee zum Guten bestehen bleibt und weiterentwickelt wird. So äußerte er sich zu seinem Vorhaben zu Beginn seiner Amtszeit wie folgt: „Wir werden eine Gesellschaft errichten, in der alle Südafrikaner, Schwarze und Weiße, aufrecht gehen können, ohne Angst in ihren Herzen, in der Gewissheit ihres unveräußerlichen Rechtes der Menschenwürde: Eine Regenbogennation im Frieden mit sich selbst und mit der ganzen Welt.”

Auch Barack Obama sah in Mandela ein wegweisendes Vorbild

Der Einfluss Mandelas ist nicht mit Südafrika begrenzt. Wichtige Persönlichkeiten, eine ganze Gesellschaft oder auch einzelne Personen wurden von ihm positiv beeinflusst. Auch US-Präsident Barack Obama erinnerte daran, wie sehr Mandela seinen eigenen Lebensweg beeinflusst habe. „Wie so viele andere kann ich mir mein Leben kaum vorstellen ohne das Vorbild Nelson Mandelas“, sagte Obama am Todestag des südafrikanischen Helden.

Die Welt braucht Vorbilder wie Mandela. Viel besser wäre es, wenn man in der Zukunft nicht fast 30 Jahre benötigen würde, um ein Vorbild zu erkennen. Die US-amerikanische Regierung setzte ihn 1988 noch für seinen Kampf gegen das Apartheid-Regime als „Terrorist“ auf die Watch-List. Margaret Thatcher nannte ihn sogar explizit einen „Terroristen“. Also sollten wir unseren Blick schärfen und rechtzeitig erkennen, wer für das Gute agiert und wer für das Böse.

„Wenn wir unser eigenes Licht scheinen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun“, so äußerte sich Nelson Mandela. Vielleicht sollten wir in diesem Sinne deshalb auch unser eigenes Licht stärker scheinen lassen.