Nordirak - dha

Das Öl aus Nordirak soll in wenigen Wochen durch die türkische Pipeline fließen und dies nötigenfalls sogar ohne Einigung auf einen Zahlungsmodus mit der Zentralregierung in Bagdad, betont der Minister für natürliche Ressourcen in der Kurdischen Regionalregierung, Ashti Hawrami. „Es könnte sogar schon vor Weihnachten soweit sein”, sagte er vergangene Woche auf einer Konferenz in Istanbul und widersprach damit zuvor veröffentlichten Prognosen, wonach der erste Export erst Anfang nächsten Jahres stattfinden würde.

Die 300 000 Barrel pro Tag (bpd) leistende Pipeline wurde von Iraks semi-autonomer kurdischen Regionalregierung (KRG) gebaut, die gestützt auf einen entsprechenden Artikel der irakischen Verfassung den Vorschlag machte, 17 Prozent der gesamten irakischen Öleinnahmen in Eigenregie zu fördern.

Hawrami kündigte an, dass Arbil den Öltransport mit oder ohne Bagdads Einverständnis über den Projektplan fortführen würde. „Wir ignorieren Bagdad nicht, aber wenn niemand mit uns sprechen möchte, ist das nicht unser Problem. Wir haben uns 10 Jahre lang hinhalten lassen.” Sobald die Pipeline aktiv sei, werde die KRG ihre Exporte über den Mittelmeerhafen Ceyhans auslaufen lassen.

„Ein großer Teil unserer Produktion wird in diese Öl-Pipeline gehen”, sagte Mehmet Sepil, Präsident des anglo-türkischen Ölfeldbetreibers Genel Energy, und betonte nochmals, dass das Öl in wenigen Wochen durch die KRG-Pipeline fließen würde. Er sagte, dass Genel Energy die Kapazität besäße, über 230 000 bpd auf zweien seiner Felder – Taq Taq und Tawke – in der Autonomen Kurdenregion zu produzieren. Das Unternehmen ist in anderen Bereichen der Region im Explorationsstadium. „Bis Ende 2014 könnte sich unsere Kapazität auf beiden Feldern durch die neuen Quellen auf bis zu 350 000 bpd erhöhen”, sagte er.

Das intensive Werben der Türkei um die KRG hatte in Bagdad für großen Unmut gesorgt und in Washington Ängste verursacht, dass eine KRG-Abhängigkeit dieser Art zu einem Zerfall des Irak führen könnte.

„Die KRG ist auf gutem Wege, der größte Öl- und Gasexporteur der Welt zu werden”, berichtete kürzlich Tony Hayward, Genels CEO und ehemaliger CEO von BP. Die Türkei unterbreitete derweil den Vorschlag, dass die Einnahmen des KRG-Ölexports in einem Treuhandkonto in einer türkischen Staatsbank eingelagert werden, bis Bagdad und Arbil ihre Meinungverschiedenheiten über die Einnahmen geklärt haben.

Der Nordirak hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen politischen und auch wirtschaftlichen Partner Ankaras entwickelt.