Offenbach: OB und Polizeipräsident um Schadensbegrenzung bemüht

Es ist Ramadan-Zeit. Für die Gläubigen bedeutet das Fasten bis zum Sonnenuntergang und wenn möglich zum Tarawih-Gebet in die Moschee. Dieses wird nachts im Anschluss an das letzte reguläre Tagesgebet verrichtet. Dies hatte auch eine Gruppe von Jugendlichen am Dienstagabend in Offenbach am Main im Sinn. Die Gruppe von etwa 15 jungen Männern war nach dem Gebet auf dem Weg nach Hause und wollte sich noch ein wenig vor dem Gebäude einer Zeitarbeitsfirma unterhalten, bevor man sich voneinander verabschiedete – woran an sich ja auch erst mal nichts verwerflich ist.

In derselben Nacht soll es aber auch einen Einbruch in eine Wohnung in der Nähe der Moschee gegeben haben. Die Polizei war auf Tätersuche, bis sie vor der Gruppe der Jugendlichen Halt machte, um die Personalien zu kontrollieren. Es wurden im Zusammenhang damit in weiterer Folge zusätzliche Polizeiwagen angefordert, die Situation geriet immer weiter außer Kontrolle. Drei Jugendliche mussten nach der „Kontrolle“ anschließend ins Krankenhaus gebracht werden, einer wurde sogar mit acht Stichen am Kopf genäht. Sie reichten Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Offenbach ein – wegen Körperverletzung im Amt.

Die jungen Männer gaben an, nichts falsch gemacht zu haben. Sie hätten sich wie sonst auch verhalten.

Der Regionalpolitiker Muhsin Şenol von der „Wählervereinigung Forum Neues Offenbach“ hat sich mit den Anwohnern unterhalten. Er teilte nun dem DTJ mit, dass die Betroffenen und Zeugen ihm bestätigt hätten, dass es sich um keine „normale Personenkontrolle“ gehandelt hätte. Ihrer Ansicht nach hätten die Beamten „unverhältnismäßige Gewalt“ angewandt.

Auch die Rechtsanwältin der drei Jugendlichen, Hatice Dilci, sagte gegenüber dem DTJ aus, dass die Gruppe das Auftreten der Polizeibeamten als „bedrohlich und aggressiv“ empfunden habe.

Verwaltungsspitze bemüht sich um Dialog

Wie uns Oberstaatsanwalt Axel Kreutz bestätigt hat, liegt auch eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vor. Neben den drei verletzten Jugendlichen sei nämlich auch ein Polizist bei der Kontrolle verletzt worden.

Der Vorfall vom Dienstag erinnert an die Szenen aus den Vorstädten von Paris oder zuletzt Stockholm. Dort hatte es wochenlange Krawallen zwischen Jugendlichen und der Polizei nach ähnlichen Polizeieinsätzen gegeben.

Doch in Offenbach arbeiten Bürger, Polizisten und Stadtverwaltung eng zusammen. Am Freitag gab es wegen des Vorfalls noch eine Versammlung am Tatort. Neben Rechtsanwältin Dicle und dem Regionalpolitiker Şenol, der auch gleichzeitig UETD-Vorsitzender des Landes Hessen ist, nahmen daran auch Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) und Polizeipräsident Roland Ullmann teil, gemeinsam mit den jungen Männern, ihren Familien sowie 150 Anwohnern.


Schneider wollte mit seiner Präsenz vor Ort vor allem verhindern, dass „sich der Vorfall weiter hochschaukelt und am Ende nur noch Emotionen und Aggressionen im Spiel sind“. Ähnlich äußerte sich auch Polizeipräsident Ullmann: „Mir geht es vor allem darum, dass die Polizei von vornherein Dialogbereitschaft zeigt.“ Ullmann versicherte auch, dass, „wenn die Vorwürfe berechtigt sind, diese auch Sanktionen nach sich ziehen werden.“

Junge Menschen vertrauen noch in Funktionsfähigkeit des Rechtsstaats

Bislang haben die Beteiligten mit ihrem gemeinsamen, besonnenen Auftreten vom Freitag Ausschreitungen wie in anderen europäischen Städten verhindert. Es zeigt, dass unsere jungen Menschen ihren Glauben an die Gerichte und Polizei nicht verloren haben. Und das muss auch so bleiben.

In den kommenden Wochen wird sich neben der Staatsanwaltschaft auch das Landgericht Offenbach mit dem Fall auseinandersetzen. Das weitere Vorgehen und ein möglicher Prozess werden vor allem seitens der betroffenen jungen Männer schon jetzt ungeduldig erwartet.