Premierminister Recep Tayyip Erdoğan befürchtet nicht, dass die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (Adalet ve Kalkınma Partisi, AKP) an Macht verlieren oder sich spalten könnte, wenn er zum Staatspräsidenten gewählt werden sollte. Ein Vergleich mit der in den 1980er-Jahren dominanten, aber während der 90er-Jahre schwächelnden Mutterlandspartei (Anavatan Partisi, ANAP) scheitere daran, dass die AKP nicht mit anderen Parteien der Vergangenheit oder Gegenwart verglichen werden könne.

Als Turgut Özal 1989 Präsident wurde, gab er den Parteivorsitz an Yıldırım Akbulut ab. Daraufhin versank die Partei in internen Streitigkeiten und verlor an Bedeutung. „Wir sind eine Partei sui generis“, betonte Erdoğan. „Als später Turgut Özal zum Präsidenten gewählt wurde, war seine Partei bereits im Niedergang begriffen. Wir aber sind weiter im Aufschwung. Wir haben derzeit 46 Prozent und auch jeder andere wählt so, dass wir davon profitieren.“

Ein Großteil der AKP-Abgeordneten auf der Klausurtagung vom Wochenende unterstützte eine Präsidentschaftskandidatur Erdoğans. Dieser versprach, im Falle einer Kandidatur und einer darauf folgenden Wahl ein aktiver Präsident zu werden.

Eine definitive Entscheidung Erdoğans über eine Kandidatur wird aber erst für Juni erwartet. Auch machte er noch keine Andeutungen über einen möglichen Nachfolger.