Parlamentswahlen in Indien: Der Sieg des Hindu-Nationalisten Modi schürt bei vielen Muslimen Ängste. Kritiker fürchten, dass er das Land spalten könnte.

Die konservative Hindu-Partei BJP feiert den größten Triumph in ihrer Parteigeschichte. Jüngsten Hochrechnungen zufolge erlangte die auf den Vorsitzenden Narendra Modi ausgerichtete Partei die absolute Mehrheit bei den Parlamentswahlen in Indien.

Die Wahl zeigt, dass es in Indiens Politik weniger um Parteien, als um Personen geht. Indiens Wähler wollen Modi – mit einer unglaublichen Mehrheit. „Jeder von euch ist Narendra Modi“, sagt der Sieger selbst. Zuvor waren BJP-Anhänger in der Hauptstadt Neu Delhi mit T-Shirts mit Aufdrucken „Ich bin Modi-fiziert“ auf die Straßen gegangen.

„Vor uns liegt eine riesige Aufgabe“ sagte Indiens ehemaliger Armeechef VK Singh der ARD. „Wir werden unsere Versprechen erfüllen. Wir haben die Wähler um eine starke Mehrheit gebeten und wir haben sie bekommen. Mit dieser Mehrheit können wir Erwartungen erfüllen.“

Gandhi ist der größte Verlierer

Rahul Gandi ist hingegen der größte Verlierer dieser Wahl. Als Gesicht der Wahlkampagne der regierenden Kongresspartei wurde er bitter abgestraft. Seine Botschaft der Erneuerung des politischen Systems drang nicht zum Volk durch. Er blieb blass und kraftlos.

Die Kongresspartei muss damit die schlimmste Niederlage ihrer Geschichte verkraften. Narendra Modi hat der großen Familien-Dynastie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die indischen Wähler das Ende der Familie des Staatsgründers Mahatma Gandhi besiegelt haben.

Autoritärer Herrscher oder Demokrat?

Modi würde in Europa zu den radikalsten Rechtspopulisten zählen. Im Wahlkampf hatte er den Menschen Wohlstand, Wachstum, Arbeit und Entwicklung versprochen. Mit dem Ende der Korruption, Ehrlichkeit und Anstand prägten seinen Wahlkampf Themen, die den indischen Alltag bestimmen.

Kritiker werfen dem bekennenden Hindu vor, ein Autokrat zu sein und Hass gegen Minderheiten zu schüren. Für die Mehrheit der Wähler spielten diese wiederkehrenden Vorwürfe offensichtlich keine Rolle. Viele Inder sehen in Modi den Wirtschaftslenker und starken Anführer, der Wohlstand verspricht. Deswegen haben sie ihn gewählt, nicht wegen seiner demokratischen Qualitäten oder dem Schutz von Minderheiten.

Massaker an Muslimen

Während des Wahlkampfs bat er alle Inder um Unterstützung, auch die 135,5 Millionen Muslime des Landes, die er „Brüder und Schwestern“ nannte. „Ich habe eine Mission in meinem Leben und die lautet: Ich arbeite für mein Land“, sagte Modi. Ob er seine Versprechen einhalten kann, ist ungewiss.

Als Ministerpräsident des westindischen Bundesstaates Gujarat konnte Modi seine politischen Qualitäten bereits unter Beweis stellen. Der Staat gilt als Musterland Indiens. Einerseits lockte er Investoren an, ließ Straßen bauen und sorgte für mehr Beschäftigung und Wohlstand. In seiner Regierungszeit wurden allerdings auch mehr als 1000 Muslime ermordet.

Als Reaktion auf einen muslimischen Anschlag auf einen Zug voller hinduistischer Pilger griffen Hindus 28. Februar 2002 ein mehrheitlich von Muslimen bewohntes Wohnviertel in Ahmedabad im Bundesstaat Gujarat an. Hunderte Muslime wurden brutal ermordet und geschändet, Frauen wurden vergewaltigt und Wohn- und Geschäftsräume geplündert. Tagelang dauerten die Massaker an, ohne dass die Polizei einschritt.

Obwohl der Hindu-Nationalist die politische Verantwortung für das Massaker bis heute abstreitet, gibt es Beweise, dass er in die ethnischen Ausschreitungen involviert war. Seine Rolle während der Gewaltexzesse wurde nie ganz geklärt.