Frankreich: So genannte

In gelben Parkas fahren die „Schützer“ mit der Métro durch Paris. Doch sind sie nicht nur aufgrund ihrer gelben Parkas anders als die anderen Fahrgäste. Sie sind zudem alle Anhänger der rechtsextremen Volksbewegung „Génération Identitaire“. Diese politische Bewegung ist besonders durch ihre rassistische und islamophobe Ideologie bekannt, und das nicht nur in Frankreich.

Auch in Deutschland wie in anderen europäischen Ländern findet sich eine solche „Identitäre Bewegung“. In YouTube-Videos und auf Demonstrationen geben sie ihre „Kriegserklärung“ kund. An einigen Orten erregen sie durch Aktionen wie Moscheebesetzungen Aufsehen. Denn was zur „Identität“ der Franzosen gehört, bestimmen die „Identitären“ – und der Islam hat nach ihrem Konzept dort keinen Platz.

Sie beschwören – auch wenn der Lebenswandel des einen oder anderen Aktivisten nicht wirklich darauf hinweist – das alte Sparta als Idol, welches auch von den Nationalsozialisten missbraucht wurde, beschwören dessen Kämpferideologie und positionieren sich gegen „Multikulti“ und die „erzwungene Mischung der Rassen“.

Ein Hauch von Weimar

Sich selbst sehen sie als Beschützer der Bevölkerung Frankreichs – oder zumindest jenes Teils davon, den sie im Sinne ihrer Ideologie als zu diesem gehörig betrachten. Durch ihre Präsenz wollen sie Überfälle auf die Métro-Nutzer verhindern. Genau genommen wollen sie ihre „Brüder und Schwestern“ vor den „racailles“, dem sogenannten Pöbel, beschützen. Was sie darunter verstehen, kommt allerdings ganz deutlich aus ihren Parolen hervor, die fast ausschließlich gegen Muslime und Einwanderer gerichtet sind.  

Zwar war die Präsenz der Identitären Generation bislang eher friedlich, doch stellt sich die Frage, wie lange dies anhalten wird. Denn nicht nur die Einwanderer, sondern auch politische Gegner der extremen Rechten fühlen sich durch solche Gruppierungen nicht „beschützt“, sondern eher bedroht. Nach Aussagen des Direktors des Pariser Verkehrsverbundes sei die Justiz gegen solche rechtsradikalen Milizen machtlos. Erst wenn es Ausschreitungen gäbe, könne die Polizei intervenieren.

Sollte die „Identitäre Miliz“ weiter auf Streife gehen, wird es wohl aber nicht lange dauern, bis das „Volk“ auch von anderen radikalen Gruppierungen anderer politischer Couleur „beschützt“ werden wird. Die Situation, die dann entstehen dürfte, würde an das Europa in den 30er Jahre erinnern.