Schüler beim Essen

In der letzten Woche besuchte ich eine Ganztagsschule. Da ich zur Mittagszeit noch in der Schule war, hatte ich auch die Gelegenheit, am Mittagessen der Schule in der Schulmensa teilzunehmen. Mit den Schülern zusammen stand ich in der Schlange und war neugierig, was es zu essen gab. Vor mir standen ca. 30 Schüler, so dass ich geduldig warten musste, um zu sehen, was es gab. Viel hatte ich nicht erwartet. Als ich an der Reihe war, wurde ich sehr nett begrüßt und gefragt, was ich denn wünsche. Bedient wurde ich von sehr netten Eltern, die sich bereit erklärt hatten, in der Mensa zu helfen. Salat, Nudeln mit Tomatensauce und als Nachspeise verschiedene Obstsorten zur Auswahl. Ich fühlte mich wie in einem Restaurant mit Self-Service.

Früher spielte es keine große Rolle was, wo und wie viel ich in der Schule aß. Der Schulalltag endete um 13 Uhr. Das Essen bekam ich zu Hause; vorbereitet von meiner Mutter. Von vielen Freunden wusste ich, dass die Eltern arbeiteten und die Verantwortung für das Zubereiten des Essens bei ihnen selbst blieb. Einige hatten auch hilfsbereite Verwandte oder Nachbarn, welche die Eltern der Kinder unterstützten. In anderen Haushalten regierte die Mikrowelle. Nichtsdestotrotz muss heute die Schule dafür sorgen, dass die Schüler einigermaßen gesundes Essen bekommen. Ob das Bewusstsein an den Schulen für gesundes Essen tatsächlich flächendeckend vorhanden ist, ist indessen fraglich.

Endstation Fastfood-Lokal

Die Schule trägt heute die Verantwortung, täglich von Montag bis Freitag mehrere hundert Schüler zu verpflegen. Es ist wirklich keine leichte Aufgabe. Die meisten Schulen, die nun auf Ganztagsbetrieb umstellen, stehen vor wichtigen Entscheidungen, die geklärt werden müssen. Wo soll die Mensa sein? Wie soll die Verteilung des Essens vonstatten gehen? Sollte die Aufgabe eine Catering-Firma übernehmen? Sollten die Eltern involviert werden? Die Schulen sind also nicht zu beneiden. Auch viele Eltern achten heute auf gesundes und bewusstes Essen. Ernährungsbewusste Eltern drängen auf frische und gesunde Kost zu möglichst niedrigen Preisen. Auf der anderen Seite versucht man, mit dem Hinweis auf Sparzwänge die Kosten zu minimieren. Das Ergebnis ist in der Regel Massenverpflegung und ungenießbares Essen. Wenn den Schülern das Essen nicht gefällt, dann lösen sie das Problem, indem sie sich außerhalb der Schule in Pommes-Buden, Dönerläden oder anderen Fastfood-Lokalen die Mägen füllen.

Schüler in Ganztagsschulen kommen mittags hungrig aus dem Unterricht und fragen sich „Was gibt es zu essen?“. Sie freuen sich auf ein leckeres und abwechslungsreiches Mittagessen. Damit die Mahlzeit zum Genuss wird, sind die Schulen aufgefordert, sich mit dem Thema „Mittagsverpflegung“ intensiv auseinanderzusetzen. Immer mehr Schüler verbringen immerhin einen großen Teil ihres Tages in der Schule. Frühstück, Zwischenmahlzeit und Mittagessen gehören zu den Mahlzeiten, die sie dort einnehmen. Ihre Geschmacksvorlieben und ihr Ernährungsverhalten werden von dem, was dort angeboten wird, beeinflusst. Schulen sollten dies zum Anlass nehmen und gesundes Essen und Trinken in ihr Schulprogramm aufnehmen.

Richtige Ernährung kann Fehlentwicklungen gegensteuern

Hier nun einige Argumente für ein ernährungsbewusstes Verhalten der Schulen: Nach einem harten Vormittag benötigen die Schüler für den Nachmittag noch viel Energie, um fit und leistungsfähig bleiben zu können. Daher sollte ein vollwertiges Mittagessen einen wichtigen Beitrag zur Energie- und Nährstoffversorgung leisten. Es kann auch Ernährungsdefizite, die außerhalb der Schule begründet sind, ausgleichen und dazu beitragen, ernährungsbedingten Erkrankungen vorzubeugen. Gemeinsame Mahlzeiten sorgen zudem für die Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Ernährungserziehung. So lernen die Schüler nicht nur bewusstes Verhalten beim Essen, sondern auch ihre Mitschüler besser kennen. Sie ermöglichen das soziale Miteinander, insbesondere auch, dass Schüler und Lehrer außerhalb des Unterrichts ins Gespräch kommen.

Die Gründung eines Arbeitskreises mit allen beteiligten Gruppen, wie der Schulleitung, Vertreter des Lehrerkollegiums und der Schüler, der Elternschaft und des Schulträgers kann hierbei hilfreich sein. Die Schule übernimmt mit dem Angebot einer Mittagsmahlzeit Aufgaben, die ehemals den Familien vorbehalten waren. Schüler nehmen fünf Mal pro Woche die Mittagsmahlzeit in der Schulgemeinschaft ein. Somit übertragen Eltern einen Teil ihrer Versorgungsaufgaben auf die Schulen. Ernährungserziehung findet zunehmend außer Haus statt. Wenn Schule und Eltern sich gemeinsam für das Verpflegungsangebot stark machen, steigen die Erfolgschancen für ein optimales Angebot. Kinder bekommen die Möglichkeit, gemeinsam mit Mitschülern und Lehrern ein leckeres und gesundes Mittagessen in angenehmer Atmosphäre einzunehmen.

Guten Appetit!

Suat Aytekin ist in Lübeck geboren und aufgewachsen. Über den zweiten Bildungsweg absolvierte er das Abitur und studierte im Anschluss Geschichte und Wirtschaft/Politik auf Lehramt. Zurzeit arbeitet er als Fachseminarleiter für Geschichte und PGW (Politik/Gesellschaft/Wirtschaft) am Landesinstitut in Hamburg (Lehrerausbildung).