Fast 34 Jahre nach dem Militärputsch in der Türkei von 1980 hat ein Gericht in Ankara die letzten beiden noch lebenden Anführer des Coups zu lebenslanger Haft verurteilt. Betroffen sind der damalige Armeechef und spätere Präsident Kenan Evren (96) sowie der einstige Luftwaffenchef Tahsin Şahinkaya (geboren 1925).

Das Gericht erkannte den Verurteilten am Mittwoch zusätzlich ihre militärischen Ränge ab. Die beiden Putschisten stehen seit 2012 vor Gericht. Sie klagen vor dem Verfassungsgericht dagegen, dass ihnen der Prozess gemacht wird.

Nach dem Putsch am 12. September 1980 wurden in der Türkei etwa eine halbe Million Menschen festgenommen. Hunderte starben im Gefängnis; Dutzende wurden hingerichtet. Die Verfassung wurde ausgesetzt und später neu geschrieben. Politische Parteien waren über Jahre hinweg verboten.

In einem von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan initiierten Verfassungsreferendum im Jahr 2010 wurde eine Amnestie von Putsch-Anführern abgeschafft. Seit Gründung der türkischen Republik 1923 putschten inzwischen weitgehend entmachteten Streitkräfte vier Mal, zuletzt 1998.

Wegen ihres hohen Alters ist noch unklar, in welcher Form die beiden Verurteilten ihre Haftstrafe verbringen werden. Abgewartet wird auch noch ein Gutachten, das den Gesundheitszustand von Evren und Şahinkaya feststellen soll.