Arabaische und Türkische Intellektuelle kommen zusammen, um über das Thema Islam und Staat zu diskutieren.

In vielen arabischen Ländern hat der Islam nicht nur Einfluss auf das private Leben, sondern spielt auch in der Politik eine bedeutende Rolle. Auch in der Türkei, die als laizistischer Staat gilt, hat der Islam für über 95% der Bevölkerung, welche ihm angehören, große Bedeutung. Aus diesem Grund ist die Frage, inwieweit der Islam einen Einfluss auf die Politik des Landes haben sollte, stets im öffentlichen Diskurs präsent und Gegenstand lebhafter Debatten.

Diesem Anlass zufolge kamen vergangenen Montag denn auch Intellektuelle vom „Türkisch-Arabischen Intellektuellen Forum” in Istanbul zusammen, um zum Ausdruck zu bringen, dass von Menschen geschaffene, staatliche Strukturen nicht als gottgegeben hingenommen und verehrt werden sollten und dass Politikern nicht wie Heilsbringern gehuldigt werden dürfe.

Ali Bulaç, ein islamischer Gelehrter und Kolumnist der Tageszeitung Zaman, sagte über den Weg der „Islamisten“ (also der Protagonisten eines politischen Islams) in der Türkei, dass diejenigen, die mit dem Versprechen zur Macht gekommen wären, den Staat zu ändern, selbst zu einem Teil des Staates geworden wären und nun bereitwillig von dessen Vorzügen profitieren würden.

Laut Bulaç sei es der Fehler der Islamisten in der Türkei gewesen, nach der Macht im Staate gegriffen zu haben, nur um der Macht willen. Ein weiterer Fehler sei es gewesen, religiöse Gemeinschaften vom Staat abhängig zu machen, obwohl diese vorher unabhängig von der Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) gehandelt hätten.

Türkei kein Modell mehr, sondern Lektion

Die „alten Mächte“, welche die Türkei einst regiert hatten, versuchten nun Vorteil aus der Korruptionsdebatte in der Türkei zu ziehen und diesmal ausgerechnet mithilfe der AKP die religiösen Gemeinschaften zu beseitigen.

„Es gibt keine Regeln bezüglich des Staates“, sagte Dr. Ahmad Kaul aus Tunesien und fügte hinzu, dass die „Ummah“ frei sei, über die Rolle des Staates je nach Zeit und Bedingungen zu entscheiden.

İhsan Yılmaz, Professor an der Istanbuler Fatih-Universität, sagte, dass es nicht möglich sei, über ein „Modell Türkei“ zu sprechen, sondern vielmehr über eine „Türkei-Lektion“ zu sprechen, während es wichtig sei, die Menschen nicht nach ihrem Glauben, sondern nach ihrem Handeln zu beurteilen.

Mohammed al-Sharqawi, einem Akademiker von der Universität Kairo, zufolge sollte die Beziehung zwischen den Menschen und dem Staat in der muslimischen Welt neu bewertet werden.

Er sagte, dass, wenn Islamisten für lange Zeit an der Macht blieben, sie beginnen würden, zwischen Demokratie und islamischen Werten abzuwägen. Das Treffen zwischen den arabischen und türkischen Intellektuellen wurde von den Magazinen Turkish Review und dem Hira-Magazin organisiert.