Die türkische Telekommunikationsbehörde hat den Zugang zur Enthüllungsplattform WikiLeaks blockiert, nachdem diese wie angekündigt hunderttausende E-Mails der türkischen Regierungspartei AKP veröffentlicht hat. Die Behörde gab bekannt, „administrative Maßnahmen“ gegen die Seite eingeleitet zu haben, die übliche Formulierung, wenn sie den Zugang zu Internetseiten sperrt. Derartige Sperrungen sind in der Türkei seit mehreren Jahren gängige Praxis im Rahmen politischer Konflikte. Auch große Netzwerke wie YouTube, Facebook und Twitter waren davon schon mehrfach betroffen. Am späten Dienstagabend schaltete die Organisation auf Twitter einen Link, der zu einer Art Suchmaschine auf ihrer Webseite führt. Dort können die E-Mails nach einzelnen Begriffen oder Sätzen durchsucht werden. „WikiLeaks veröffentlicht den ersten Teil der AKP-E-Mails“, war auf der Seite zu lesen.

Die Datenbank bestehe aus 762 Posteingängen und insgesamt 294 548 E-Mails. Sie seien jeweils von Adressen verschickt worden, die der Homepage der AKP zuzuordnen seien. Der Inhalt solcher Mails beziehe sich aber meist nicht auf Interna der Regierung, sondern auf „Beziehungen mit der Welt“, also vermutlich auf außenpolitische Themen. Die aktuellste Mail sei am 6. Juli verschickt worden, die älteste stamme aus dem Jahr 2010. Das Material sei eine Woche vor dem Putschversuch in der Türkei erlangt worden. Wie brisant die Inhalte der E-Mails am Ende wirklich sind, ist bisher noch unklar.

Die Veröffentlichung der Dokumente hatte WikiLeaks bereits am Montag mit dem Hashtag #ErdoganEmails auf Twitter angekündigt und gewarnt, dass die türkische Regierung alles tun werde, um die Veröffentlichung zu verhindern. Später teilte die Organisation dann mit, dass es „anhaltende Attacken“ auf ihre Infrastruktur gebe: „“Die Türken werden wahrscheinlich zensiert um zu verhindern, dass sie unsere bevorstehende Veröffentlichung von über 100.000 Dokumenten über die Politik, die zum Putsch geführt hat, lesen.“

Kurz vor der Veröffentlichung der Dokumente erklärte sie in einem weiteren Eintrag: „Es scheint, als hätten wir den ganztägigen Cyberkrieg gewonnen. Die AKP-Emails erscheinen in Kürze.“ WikiLeaks hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit spektakulären Veröffentlichungen für Aufsehen gesorgt, unter anderem mit internen E-Mails des US-Außenministeriums oder des syrischen Diktators Baschar Al-Assad. (dpa/ dtj)