Al-Qaida Kämpfer - reuters

Die Türkei hat Habertürk zufolge einigen europäischen Herkunftsländern so genannter „Djihadisten“ mitgeteilt, dass das Land 1100 dieser Extremisten abgeschoben hat. Diese waren in die Türkei gekommen, um sich im syrischen Bürgerkrieg Einheiten anschließen zu können, die der terroristischen Al Qaida und dieser nahe stehenden Gruppen zugehören.

In den letzten Wochen waren Vorwürfe an Ankara laut geworden, man habe diese Extremisten aufgenommen, ihnen durch Ignorieren ein ruhiges Hinterland geboten und sie ungehindert nach Syrien weiterreisen lassen. In grenznahen Wohnanlagen sollen Terroristen mit Duldung durch die türkische Regierung gelebt und von dort aus Aktionen gegen die syrische Regierung geplant haben. Ankara hat diese Darstellungen immer zurückgewiesen. Als die sicherheitsbehördlichen Repressionsmaßnahmen gegen terroristische „Abenteuerurlauber“ aus Europa forciert wurden, drohte Al Qaida sogar mit Anschlägen in der Türkei.

Nachdem mehrere Länder nun die Türkei auf die Aufforderung der Sicherheitsbehörden und des Außenministers Ahmet Davutoğlu hin darüber unterrichtet hatten, welche Personen im Verdacht stehen, die Türkei als Transitland auf dem Weg nach Syrien zu benutzen, wurden insgesamt 1100 Extremisten nach gemeinsamen Ermittlungen durch den Geheimdienst (MIT), der Gendarmerie und der Polizeieinheiten in insgesamt 41 Zugriffen während des Jahres 2013 verhaftet. Über weitere 1500 mutmaßliche Terroristen aus mehreren Ländern, deren Aufenthaltsort unbekannt ist und die im Verdacht stehen, gleichfalls mit dem Ziel nach Syrien einreisen zu wollen, dort im Bürgerkrieg für Al-Qaida-Einheiten zu kämpfen, wurden die türkischen Behörden über europäische Polizeidienststellen und über die Interpol informiert.

Terroristische Internationale von den USA bis Pakistan

Einem Bericht zufolge hat die Türkei in den letzten drei Jahren insgesamt 141 Operationen gegen Al-Qaida-nahe Terroristen durchgeführt und dabei 518 Personen festgenommen. 217 davon sitzen in Haft.

Die Beteiligung ausländischer „Djihadisten“ an den Kampfhandlungen in Syrien wurde im Laufe der letzten Jahre von Tag zu Tag stärker. Die meisten von ihnen kommen aus Deutschland, Belgien, Frankreich und den Niederlanden, allerdings wurden auch schon Kämpfer aus Tschetschenien, Afghanistan, dem Irak, Saudi-Arabien oder anderen Golfstaaten aufgegriffen. Sogar aus den USA wurden Verdächtige gemeldet. Angehörige der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) verdächtigen die Herkunftsstaaten, ihre Terroristen loswerden zu wollen, indem sie deren Ausreise in die Türkei und von dort aus weiter nach Syrien nicht verhindern.

Europäische Länder verweisen jedoch darauf, dass sie ohne konkrete Beweise keine Handhabe hätten, die Terroristen an der Ausreise zu hindern. Deshalb treten die Geheimdienste meist nur an die Türkei mit dem Ersuchen heran, die Personen nach der Einreise festzunehmen.

Bereits während seines Besuchs in Washington im späten November hatte Außenminister Davutoğlu nach einer besseren Geheimdienstzusammenarbeit zwischen den Ländern aufgerufen, in denen „Djihadisten“ ihr Unwesen treiben.

Extremistenpropaganda mit theologischen Argumenten widerlegen

Auch in Deutschland werben Extremisten in Videos für eine Teilnahme am bewaffneten Kampf und wollen dadurch vor allem junge Menschen für eine terroristische Tätigkeit in Syrien gewinnen.

Um Jugendliche für diesen Wahnsinn zu sensibilisieren, haben die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und ufuq.de einen neuen Film produziert, der dieser Propaganda mit theologischen Argumenten widerspricht. Wenn alles klappt, soll der Film (Autorin Deniz Ünlü) mit umfangreichem Begleitmaterial ab Januar über die HAW und ufuq.de kostenlos erhältlich sein.