Die türkischen Vereine in Berlin lehnen den Begriff
Die türkischen Vereine in Berlin lehnen den Begriff "Völkermord" ab.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin lehnten die türkische Vereine, den Antrag der Koalitionsfraktionen mit dem Begriff „Völkermord“ scharf ab. Die Türkische Gemeinde zu Berlin (TGB), der Verein „Dialog und Frieden“ sowie der Verein zur Förderung des Gedankenguts Atatürks (ADD) wehrten sich dagegen, da aus ihrer Sicht der Begriff historisch nicht belegt gilt. Zudem haben über 15 Vereine zu einer Kundgebung für den morgigen Samstag in Berlin aufgerufen.

Bekir Yilmaz, Präsident der türkischen Gemeinde, sprach davon, dass die Politik nicht für die geschichtliche Wahrheitsfindung geeignet sei. 80 Prozent der in Deutschland lebenden Türken würden den Begriff „Völkermord“ ablehnen. Zudem warnte er davor, mit dem Völkermord-Vorwurf die deutsch-türkischen Beziehungen schwer zu belasten. Außerdem erschwere man die Versöhnung zwischen der Türkei und Armenien.

„Wenn das EU-Parlament, der Papst und der Bundespräsident dazu beitragen wollen, dass das Problem gelöst werden soll, sollten sie darauf hinwirken, dass sich beide Seiten an einen Tisch setzen“, sagte Yilmaz. „Alles andere führt nur dazu, dass sich die Fronten verhärten.“ Man solle in den Gerichtssälen nach der Wahrheit suchen und nicht in den Parlamenten.

„Ein Völkermord ist die schwerste Straftat“

Auch Ali Söylemezoğlu, Vorsitzender des Vereins „Dialog und Frieden“, wies die schweren Vorwürfe zurück. „Ein Völkermord ist die schwerste Straftat, die die Weltgemeinschaft kennt. Wenn der Bundespräsident von Völkermord spricht, überschreitet er seine Kompetenzen.“

Zudem sei er davon überzeugt, dass es sich 1915 wie bei einem Bürgerkrieg um einen Blutbad, bei dem Menschen beider Seiten umgekommen sind, handele. Die geschätzte Zahl von 1,5 Millionen Armeniern, die bei den Massakern ums Leben gekommen sein sollen, stimmten nicht. Nur die wenigsten Armenier seien damals Opfer von Massakern geworden. Die allermeisten seien an Hungersnot gestorben, so Söylemezoğlu.

Bekir Yilmaz erklärte weiterhin, dass man zu einem Dialog bereit sei. „Die Armenier sind nicht unsere Feinde“. Allerdings erhoffe man sich von der deutschen Politik vor allem eine vermittelnde Rolle. Sie solle dazu beitragen, die türkisch-armenischen Beziehungen zu normalisieren: „Dann hätte die deutsche Politik wirklich etwas Gutes getan“.

„Entschuldigung der türkischen Regierung bei Armeniern muss gewürdigt werden“

Wie die Deutsche Welle berichtet, betonte CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz, dass man die persönlichen Entschuldigungen des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu sowie des Staatsprädienten Recep Tayyip Erdoğan würdigen müsse. Auch er wünsche sich von der deutsche Regierung eine vermittelnde Rolle zwischen beiden Parteien. Eine mögliche Lösung seinerseits sei eine Schulbuchkommission. Diese hätte bei deutschen und polnischen Schulbüchern dazu beigetragen, dass eine aufeinander abgestimmte Geschichtsdarstellung erfolgt sei. Das gleiche wünsche er sich für die Türkei und Armenien.

Was 1915 in Anatolien geschah

In einem Disput über die türkisch-armenische Geschichte fasst Ali Söylemezoğlu auf der Homepage seines Vereins Meinungen und Erlebnisse von Türken bezüglich der türkisch-armenischen Geschichte zusammen. Dort nennt der Journalist Gründe, warum man nicht von einem „Völkermord an den Armeniern“ sprechen kann. Nach Auffassung von Söylemezoğlu sprechen Fakten gegen einen „Völkermord“.

Die Kundgebung beginnt Samstag dem 25.04.2015 um 14 Uhr an der Urania und endet an der Siegessäule. Neben der Türkischen Gemeinde zu Berlin haben unter anderem folgende Vereine dazu eingeladen: UETD, Berlin Alperen Ocaklari, DITIB-Berlin e.V. und VIKZ.