Türke erhält „Deutschen Nobelpreis“

Wie Dr. Julia Weiler von der Pressestelle der RUB mitteilt, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) einen der jährlich bis zu zehn von ihr verliehenen Preise an den 1958 in Izmir geborenen Forscher verliehen.

Die Ruhr-Universität jubele gemeinsam mit ihrem Preisträger Prof. Dr. Drs. h.c. Onur Güntürkün über den Leibniz-Preis 2013. „Wir freuen uns, dass nach so langer Zeit wieder ein RUB-Forscher mit dem deutschen Pendant zum Nobelpreis ausgezeichnet wird“, wird RUB-Rektor Prof. Elmar Weiler zitiert. „Ich gratuliere Onur Güntürkün herzlich. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich an der RUB eine exzellente gemeinsame Forschung von Neurobiologen und Experimentalpsychologen etabliert hat.“

Der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert und gilt als wichtigster Forschungsförderpreis in Deutschland. Mit dem Preis würdigt die DFG herausragende Forscher, die frühzeitig exzellente grundlegende Leistungen auf ihren Arbeitsgebieten erbracht haben und von denen erwartet wird, dass sie die Forschungslandschaft in Deutschland nachhaltig prägen werden. Onur Güntürkün ist ein herausragender Wissenschaftler und ein begnadeter Vermittler seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse. „Ich freue mich riesig über diese Auszeichnung“, sagte der Preisträger. „Aber natürlich nicht nur für mich, sondern auch für die RUB, meine Heimat-Uni.“

Neuronale Grundlagen des Denkens erforschen

Wahrnehmen, Lernen und Entscheiden – wie das Gehirn diese Prozesse hervorbringt, untersuche Onur Güntürkün (Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Abteilung Biopsychologie) auf der Verhaltensebene, neuroanatomisch sowie mit elektrophysiologischen und bildgebenden Verfahren, erklärt die RUB-Pressestelle. Dabei interessiere er sich vor allem für die Asymmetrie zwischen linker und rechter Gehirnhälfte, über die bei Menschen kaum etwas bekannt sei. Primär arbeite der Biopsychologe mit Tauben, da ihr Sehsystem ähnliche Rechts-Links-Unterschiede aufweise wie das des Menschen – sowohl anatomisch als auch funktionell. In den letzten eineinhalb Jahrzehnten habe Onur Güntürkün visuelle Hirnasymmetrien bei Tauben auf der Verhaltensebene umfassend charakterisiert.

Er gehöre gleichzeitig zu den führenden Neuroanatomen von Vögeln. Seine zusätzliche Expertise im Bereich der Elektrophysiologie ermögliche es ihm mittlerweile, neurobiologische Modelle zu formulieren, die erklärten, wie aus der Aktivität von Nervenzellen lateralisiertes Verhalten entstehen würden.

Zur Person

1975 hatte Prof. Güntürkün ein Psychologie-Studium an der Ruhr-Universität Bochum aufgenommen, dem er eine Promotion zur funktionellen Organisation des visuellen Systems bei Tauben anschloss (Abschluss 1984). Mit einem Habilitationsstipendium der DFG absolvierte er Forschungsaufenthalte an der Université Pierre et Marie Curie in Paris und an der University of California in San Diego.

Anschließend arbeitete Onur Güntürkün als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Konstanz, wo er sich 1992 habilitierte. Im darauffolgenden Jahr kam er als einer der jüngsten Professoren Deutschlands zurück an die RUB. Zusammen mit Kollegen gründete Onur Güntürkün 1996 das DFG-Schwerpunktprogramm „Sensomotorische Integration“, das mit großem Erfolg die gemeinsame Forschung von Neurobiologen und Experimentalpsychologen förderte. Er war Mitbegründer und von 2005 bis 2008 Sprecher der International Graduate School of Neuroscience der RUB, gründete zwei BMBF-Forschungsverbünde und eine DFG-Forschergruppe, war acht Jahre lang gewähltes Mitglied im DFG-Fachkollegium Psychologie und ist seit 2009 Mitglied des DFG-Senatsausschusses für die Sonderforschungsbereiche.

Eine lange Reihe von Auszeichnungen

Der Leibniz-Preis reiht sich in eine lange Serie hochrangiger Auszeichnungen. 1993 erhielt er den Gerhard Hess-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, zwei Jahre später den Preis der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, 2006 die Wilhelm Wundt-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, 2006 die Mitgliedschaft in der Leopoldina und 2007 den großen Spezialpreis der TÜBITAK (das türkische Äquivalent zur DFG), mit dem jährlich ein international hochgradig sichtbarer türkischer Wissenschaftler ausgezeichnet wird. Seine Biographie hat Onur Güntürkün zu einem Mittler zwischen der türkischen und der deutschen akademischen Kultur gemacht. In den Jahren 2000 und 2008 erhielt er die Ehrendoktorwürden der Universitäten Istanbul und Dokuz Eylül (Izmir), 2009 die Große Verdienstauszeichnung der Türkischen Republik und 2010 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

Insgesamt vier Preisträger in NRW

Vier der zehn Leibniz-Preise gingen in diesem Jahr nach NRW. Wissenschaftsministerin Svenja Schulze gratulierte: „Die Ehrung ist Ausweis herausragender wissenschaftlicher Leistungen. Nicht umsonst werden die Leibniz-Preise auch als deutsche Nobelpreise bezeichnet. Die heutige Auszeichnung durch die DFG ist daher Grund zu Stolz für die Universitäten Bochum, Münster und Köln und für das Forschungs- und Innovationsland Nordrhein-Westfalen.“

Die DFG verleiht jährlich bis zu zehn Leibniz-Preise. Das Leibniz-Programm hat zum Ziel, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftler zu erleichtern. Kandidaten müssen für den Preis vorgeschlagen werden. (RUB)