Irak, Zakho: Fuad Hussein (r.), irakischer Außenminister, besucht eine verletzte Frau, als er nach einem Artilleriebeschuss im Norden des Landes die Verletzten in einem Krankenhaus besucht. Foto: Ismael Adnan/dpa

Im Nordirak sind bei einem Artilleriebeschuss mindestens neun Menschen getötet worden. Die Behörden erheben Vorwürfe gegen die Türkei, die weist sie zurück. Auch Deutschland meldete sich inzwischen zu Wort. 

Neben den neun Toten sollen auch über 20 Zivilisten verletzt worden sein. Die Behörden in der autonomen Region Kurdistan machten das Nachbarland Türkei für den Beschuss verantwortlich. Ankara wies den Vorwurf zurück. Man gehe vielmehr davon aus, dass solche Angriffe von einer „Terrororganisation“ ausgingen, hieß es in einer Erklärung des türkischen Außenministeriums. Die Türkei spreche den Familien der Opfer ihr Beileid aus. Der irakische Außenministerium verurteilte den Beschuss aufs Schärfste, ohne jedoch Angaben zur Herkunft des Angriffs zu machen.

Den kurdischen Angaben zufolge traf der Beschuss eine große Gruppe irakischer Touristen, die sich zum Zeitpunkt in der Region aufhielten. Gleichzeitig sollen auch Mitglieder der PKK in dem beliebten Ausflugsort gewesen sein, berichtete der kurdische TV-Sender Rudaw, was den Beschuss aus der Türkei ausgelöst habe. Ankara geht in der Region regelmäßig mit Militäroffensiven gegen die auch in den USA und Europa als Terrororganisation geltende Gruppierung vor.

Die Türkei führe ihren Kampf gegen den Terrorismus im Einklang mit dem Völkerrecht und mit größter Sensibilität für den Schutz der Zivilbevölkerung, hieß es weiter in der Erklärung aus Ankara. Man sei bereit, jeden Schritt zu unternehmen und wolle mit der irakischen Regierung zusammenarbeiten, „um die Wahrheit ans Licht zu bringen“.

Türkischer Botschafter wird einbestellt, Deutschland verlangt „dringende Aufklärung“

Der Irak will nach dem Vorfall im Norden des Landes den türkischen Botschafter einbestellen. Dies teilte das Büro des Premierministers am Mittwoch nach einer Notsitzung mit. Der Irak verurteilte den Angriff in der kurdischen Region aufs Schärfste. Gleichzeitig wolle man den Geschäftsträger aus Ankara für Beratungen zurückberufen.

Auch die Bundesregierung hat eine Aufklärung des tödlichen Artillerieangriffs gefordert. Die Bundesregierung verurteile den Angriff auf zivile Ziele in der Provinz Dohuk, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Donnerstag in Berlin. „Angriffe auf Zivilisten sind vollkommen inakzeptabel, ihr Schutz muss unter allen Umständen höchste Priorität haben.“

Die Umstände des Angriffs und die Verantwortung dafür müssten „dringend aufgeklärt werden“, forderte er. Die Bundesregierung messe dem Respekt für staatliche Souveränität Iraks und der Achtung des Völkerrechts größte Bedeutung bei. „Wir werden den Irak, einschließlich der Region Kurdistan-Irak, insbesondere in Sicherheitsbelangen und der Stabilisierung des Landes weiterhin unterstützen“, sagte der Sprecher.

dpa/dtj