Ein Stromausfall in einem Istanbuler Vorort bereitet den Menschen seit sechs Tagen Probleme.

Endlos scheinen sich die unzähligen Siedlungen um Istanbul herum zu erstrecken. In den riesigen Vorstädten leben Hunderttausende in oft schnell hochgezogenen Vierteln mit schlechter Infrastruktur. Das schlecht ausgebaute Istanbuler Verkehrsnetz ist mit der Masse an Einwohnern schlichtweg überlastet und in den Außenbezirken ereignen sich deshalb häufig Stromausfälle.

Doch nun nimmt ein Stromausfall in der Mehterçeşme Nachbarschaft in der Istanbuler Vorstadt Esenyurt ungeahnte Dimensionen an – und belastet das Leben seiner Bewohner schwer. Seit nunmehr fünf Tagen lähmt ein ununterbrochen andauernder Stromausfall das Leben der Bewohner. Der Wintereinbruch in der Türkei sorgte in Mehterçeşme nämlich nicht nur für schneebedeckte Dächer, sondern auch zu einer Überbelastung und einem anschließenden Zusammenbruch der örtlichen Stromversorgung.

Die Menschen in der Mehterçeşme-Nachbarschaft auf dem europäischen Teil Istanbuls müssen einem Bericht der türkischen Zeitung Today’s Zaman zufolge mittlerweile den sechsten Tag in Folge Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ohne Elektrizität überstehen.

Strom-Problem seit zwei Jahren bekannt

Der Ärger und die Verzweiflung der Bewohner wachsen mit jedem Tag, an dem die Anwohner der Kälte ausgeliefert sind. „Ich habe kleine Kinder. Ich habe sie erst mal zu Verwandten geschickt. Ich selbst kann diese Kälte kaum ertragen – wie sollen denn Kinder damit klarkommen?“, sagte ein wütender Anwohner. „Wir sind regelmäßig zur (zuständigen) ‚Boğaziçi Electricity Distribution Company‘ (BEDAŞ) gegangen und haben dort von unserem Problem berichtet. Aber niemand findet eine endgültige Lösung.“

Seit zwei Jahren bekannte Betriebsstörungen in den örtlichen Stromleitungen wurden trotz wiederholter Beschwerden der Anwohner von den zuständigen Behörden nicht behoben.

Die Bewohner in der Mehterçeşme-Nachbarschaft warteten bislang beim Auftreten von Betriebsstörungen gewöhnlich etwa 24 Stunden auf die Stromversorgung. Beamte spielten die Probleme während der letzten zwei Jahre stets herunter und reparierten die bestehenden Schäden nicht.

Die Anwohner der Istanbuler Vorstadt beklagen, sie müssten auf Grund der schlechten Stromversorgung in ihrem Viertel viele alltägliche Arbeiten, wie etwa Kochen, Putzen und Heizen, mühsam und auf primitive Weise verrichten. Abends spendeten den Berichten der Einwohner nach lediglich Kerzen Licht.

Kompetente Mitarbeiter durch Billigkräfte ersetzt

Doch der jetzige Stromausfall stellt das Viertel vor neue, bislang ungekannte Schwierigkeiten. Nach dem Wintereinbruch in der Türkei und anhaltendem Schneefall müssen die Anwohner versuchen, mit Holz zu heizen, da die in den Häusern vorhandenen Heizungskessel ohne Stromzufuhr unbrauchbar geworden sind. Außerdem mussten bereits Dialyse-Patienten, die auf elektrische Geräte angewiesen sind, aus dem Viertel in anliegende Krankenhäuser evakuiert werden.

Ein BEDAŞ-Mitarbeiter sagte gegenüber Today’s Zaman: „Nachdem die Firma privatisiert wurde, sind eine Menge kompetenter Angestellter entlassen worden. Dann hat die Betriebsstörung bei der Stromversorgung (für die Mehterçeşme-Nachbarschaft) angefangen. Es wurden Arbeiter eingestellt, die bereit waren, für weniger Gehalt zu arbeiten. Und diese unqualifizierten Arbeiter können keine dauerhafte Lösung für das Problem in dem Viertel finden.“

Die Istanbuler Vorstadt Esenyurt erlebte in den letzten Jahrzehnten ein starkes Wachstum und heute leben offiziellen Angaben zufolge mehr als 373 000 Menschen in dem Vorort.